Wie komme ich aus dem Vertrag mit meinem Fitnessstudio?

Viele Fitnessstudios benutzen in ihren Verträgen Klauseln, die rechtlich betrachtet unwirksam sind. In einem solchen Fall ist der Ausstieg aus einem unliebsamen Vertrag oft einfacher als gedacht. Das gilt zum Beispiel, wenn sich der Vertrag automatisch verlängert hat und die Vertragsverlängerung länger ist als die ursprünglich vereinbarte Grundlaufzeit.

 
 

Ist dies der Fall, ist die Verlängerung unwirksam und der Vertrag endet bereits nach der ersten vereinbarten Laufzeit. Unwirksam sind auch Klauseln zu Vertragsverlängerungen, die länger als 12 Monate sind. Die ursprüngliche Vertragslaufzeit kann jedoch länger als 12 Monate sein – die Rechtsprechung tendiert dazu, bis zu 24 Monate zuzulassen.

Kündigung aus wichtigem Grund immer möglich

Bei längeren Vertragslaufzeiten stuft das Gesetz die Vertragslaufzeit auf unbestimmt ein. Dann gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. Unabhängig davon können Verbraucher den Vertrag mit einem Fitnessstudio jedoch immer kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Das Recht dazu kann durch eine Klausel im Vertrag nicht ausgeschlossen werden. Geschieht dies dennoch, ist die Klausel unwirksam, so dass ein Prozess vor Gericht gute Aussichten auf Erfolg verspricht.

Ein wichtiger Grund liegt zum Beispiel im Fall eines Umzugs vor. Ist das Studio nur noch mit unangemessen hohem Aufwand erreichbar, sind Verbraucher zur Kündigung berechtigt. Ändert sich der Anfahrtsweg hingegen nur geringfügig oder wird er – etwa durch andere Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr -schwieriger, ist dies kein Kündigungsgrund.

Streitfall Schwangerschaft

Auch eine Erkrankung oder Verletzung stellt einen wichtigen Grund und damit einen berechtigten Anlass zur Kündigung dar. Das Fitnessstudio darf die Vorlage eines ärztlichen Attestes verlangen. Die Konsultation eines Amtsarztes muss der Kunde jedoch nicht hinnehmen – ein einfaches Attest genügt. Ausnahme: War die Krankheit dem Kunden schon zum Zeitpunkt der Unterschrift unter den Vertrag bekannt, ist dies kein Grund zur Kündigung – es sei denn, die Krankheit hat sich deutlich verschlimmert.

Einige Gerichte betrachten auch eine Schwangerschaft nach Vertragsschluss als wichtigen Grund. Darauf können sich Frauen im Zweifelsfall allerdings nur bedingt verlassen, weil andere Gerichte zu einem anderen Schluss gekommen sind: Demnach ruht der Vertrag während der Schwangerschaft lediglich und es kommt zu einer entsprechenden Verlängerung der Vertragslaufzeit.

Fazit: Es gibt durchaus Möglichkeiten, aus einem laufenden Vertrag herauszukommen. Wer eine solche entdeckt, muss nicht zwingend mit Anwalt und Prozess drohen: Oft reicht es, auf die rechtliche Situation hinzuweisen und auf einschlägige Urteile zu verweisen.

Fitnessstudio Vertrag kündigen - Wie komme ich aus dem Vertrag mit meinem Fitnessstudio? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Shirin am Sonntag, 20. Februar 2011 um 15:24 Uhr.