Wann lohnen sich kostenpflichtige Zusatzleistungen beim Arzt?

So genannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind medizinische Behandlungen, die nicht durch den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gedeckt sind. Wollen Patienten sie in Anspruch nehmen, müssen sie aus eigener Tasche zahlen. Versicherte sollten wie bei einer wichtigen Kaufentscheidung vorgehen und Kosten und Nutzen abwägen und das Angebot kritisch hinterfragen.

 
 

Stellt der Arzt im Lauf der Untersuchung oder eines längeren Behandlungsprozesses eine individuelle Leistung in den Raum, sollten Patienten sich die Wirkung ebenso erläutern lassen wie die möglichen Risiken. Das gilt grundsätzlich für jede Behandlung, auch wenn die Kasse sie zahlt. Bei kostenpflichtigen Zusatzleistungen sollte der Arzt jedoch konkret gefragt werden, warum die jeweilige Leistung nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Versicherung enthalten ist.

Die Gretchenfrage: Warum zahlt die GKV nicht?

Diese deckt notwendige Behandlungen mit nachgewiesener Wirksamkeit aller Kritik zum Trotz weitestgehend ab. Der Arzt sollte ein konkretes Argument vorbringen können. Soll eine Behandlung „ins Blaue“ hinein durchgeführt werden, ist sein abzulehnen, auch wenn keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. Vorsicht ist geboten, wenn eine Leistung vom Arzt oder einer Praxis stark beworben wird – dann steht womöglich nicht ausschließlich das Wohl des Patienten im Vordergrund.

Ob ein Arzt bei der Auswahl seiner Behandlungsmethoden ein unangemessen starkes wirtschaftliches Interesse verfolgt, ist für Laien nur sehr schwer zu beurteilen. Der Gesamteindruck einer Praxis kann ein Indiz sein. Patienten sollten deshalb schon im Wartezimmer aufmerksam sein. Werden dort durch Hinweise oder andere Materialien bestimmte kostenpflichtige Behandlungen überdeutlich beworben, steht dahinter womöglich ein geschäftliches Interesse.

Sehr wichtig ist auch ein Kostenvoranschlag. Laut Gesetz muss dieser alle enthaltenen Leistungen aufschlüsseln und sich an den Regeln der privatärztlichen Gebührenordnung orientieren. Zudem muss eine schriftliche Vereinbarung darüber getroffen werden, dass die Behandlung vom Patienten selbst zu zahlen ist. Ohne die schriftliche Vereinbarung besteht für Patienten keine Zahlungspflicht.

Rechnung kann steuerlich geltend gemacht werden

Der behandelnde Arzt ist wie jedes andere Unternehmen auch verpflichtet, eine Rechnung auszustellen. Auch hier gibt es verschiedene gesetzliche Regelungen. Verboten sind zum Beispiel Pauschalpreise oder eine erfolgsabhängige Vergütung. Wird die Rechnung bar bezahlt, sollte eine Quittung selbstverständlich sein.

Die Kosten für individuelle Gesundheitsleistungen können als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden. Patienten müssen beim Arztbesuch keine Praxisgebühr zahlen, wenn nur individuelle, d. h. nicht erstattungsfähige Leistungen in Anspruch genommen werden. Auch die Versichertenkarte ist nicht erforderlich.

Fazit: Individuelle Gesundheitsleistungen sollten nur dann genutzt werden, wenn es tatsächlich hilfreich erscheint und der Arzt überzeugend darlegen kann, warum ausgerechnet diese spezielle Behandlung zum Erfolg führen kann. Eine gesunde Portion Skepsis sollten Patienten immer an den Tag legen.

Wann lohnen sich kostenpflichtige Zusatzleistungen beim Arzt? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Shirin am Mittwoch, 23. Februar 2011 um 13:25 Uhr.