Was tun bei zu vielen Schulden?

Rund vier Millionen Haushalte in Deutschland gelten als überschuldet oder von Überschuldung bedroht. Wann genau ein Haushalt überschuldet ist, hängt von der Definition ab. Schulden müssen zudem nicht zwangsläufig in einer Privatinsolvenz mit all ihren Entbehrungen und Mühen enden. Oft genug findet sich ein anderer Ausweg, wenn rasch genug gehandelt wird.

 
 

Verbraucher, die unter ihren Schuldenlast leiden, sollten so schnell wie möglich Maßnahmen ergreifen. Der erste Schritt muss darin bestehen, dass bestehenden Verbindlichkeiten, ihre Fälligkeiten sowie die Kosten (Zinsen) der jeweiligen Schuldenarten aufzulisten. Dieser Saldo wird dann den Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt. Auf diese Weise lässt sich ermitteln, wie viel Geld monatlich zur Schuldentilgung zur Verfügung steht.

Status Quo: Einnahmen und Ausgaben prüfen

Vom Resultat dieser Analyse hängt das weitere Vorgehen ab. Allzu oft stellen Verbraucher fest, dass der Schuldenberg Monat für Monat wächst, weil die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Dann müssen entweder die Kosten gedrückt oder die Einnahmen erhöht werden. Der Saldo sollte binnen kurzer Zeit auf Null und bald darauf in den positiven Bereich gedreht werden.

Meistens lässt sich am Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben jedoch einiges drehen. Durch den Wechsel in günstigere Tarife bei Energie und Telekommunikation, die Kündigung unnützer Versicherungen und entbehrlicher Abonnements und Verträge lassen sich fast immer Potenziale freisetzen, wenn das Einkommen nicht ausgesprochen niedrig ist (was zum Beispiel beim Bezug von ALG II der Fall ist).

Auf der Einnahmeseite sind mit etwas gutem Willen und dem richtigen Know Hao ebenfalls Verbesserungen möglich. Ein Großteil der Haushalte in Deutschland zahlt mehr Steuern als nötig. Das fängt bei Handwerkerechnungen und individuellen Gesundheitsleistungen an und hört beim häuslichen Arbeitszimmer auf.

Können regelmäßige Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden (zum Beispiel die Zinsen für einen Studienkredit, die Gebühren für ein nebenberufliches Studium oder die Kosten für bestimmte Versicherungen) können Arbeitnehmer durch einen entsprechenden Eintrag auf der Lohnsteuerkarte sofort von einer geringeren Steuerlast profitieren.

Mit einer Umschuldung schlimmeres verhindern

In vielen Fällen kann auch eine Umstrukturierung der angehäuften Schulden das Schlimmste (nämlich eine Zahlungsunfähigkeit) verhindern. Ein nicht unerheblicher Teil der Überschuldungen könnte durch eine Verringerung der monatlichen Belastung durch Zins und Tilgung verhindert werden. Haben Verbraucher sich selbst überschätzt und mit den monatlichen Raten für Leasing. Ratenkredit etc. übernommen, kann dies durch eine Verlängerung der Laufzeit korrigiert werden. In diesem Fall sollte unbedingt trotzdem das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben optimiert werden.

Selbstverständlich hat alles seine Grenzen –auch der Versuch, eine Überschuldung abzuwenden. Besteht gar keine Möglichkeit mehr, die Finanzen in den Griff zu bekommen, sollte so schnell wie möglich eine Schuldnerberatung aufgesucht werden. Diese hilft dabei, den in einer aussichtslosen Situation einzig richtigen Schritt in die Wege zu leiten: Die Privatinsolvenz. Nach der Eröffnung eines privaten Insolvenzverfahrens, bis zu der durchaus ein Jahr vergehen kann, dauert es sechs Jahre bis zur Restschuldbefreiung, die einen Neuanfang ermöglicht.

Fazit: Eine drohende Überschuldung lässt sich häufig abwenden, wenn die Ursache in einer unstrukturierten Haushaltsführung oder Krediten mit zu kurz gewählter Laufzeit liegt. Wichtig ist dann rasches Handeln. Bei einer Kombination aus sehr hohen Schulden und einem sehr geringen Einkommen ist die Privatinsolvenz der richtige Weg.

Was tun bei zu vielen Schulden? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Mittwoch, 23. Februar 2011 um 13:53 Uhr.