Lohnt sich eine Mietkaution?

Das Geschäft mit Mietkautionen ist in Deutschland auf dem Vormarsch: Immer mehr Unternehmen bieten Verbrauchern eine Bürgschaft an, mit der die sonst übliche Kaution für eine Mietwohnung ersetzt werden kann. Der Vorteil: Es wird kein Kapital auf einem Kautionskonto gebunden. Der Nachteil: Sowohl gegenüber einer Barkaution als auch gegenüber einer gewöhnlichen Bankbürgschaft sind die Angebote teuer.

 
 

Das Prinzip einer Mietkaution ist einfach. Der Mieter leistet gegenüber seinem Vermieter nicht die übliche Kaution in Höhe von drei Nettomonatsmieten. Stattdessen erhält der Vermieter eine Bürgschaft von einer Bank oder Versicherung über den entsprechenden Betrag. Kommt der Mieter seinen vertraglichen Pflichten nicht nach, kann der Vermieter ohne weitere Nachweise auf die Bürgschaft zurückgreifen und erhält sein Geld.

Bürgschaftsgebühren summieren sich

Für Mieter ist eine Mietkaution auf den ersten Blick praktisch, weil sie nicht drei Mieten aufwenden müssen. Der Liquiditätsvorteil muss allerdings teuer bezahlt werden. Marktüblich sind Kosten zwischen 5 und 8 Prozent der Bürgschaftssumme pro Jahr. Dazu können einmalige Gebühren für die Ausstellung der Bürgschaftsurkunde oder die Einrichtung eines Kundenkontos kommen.

Besonders auf lange Sicht zahlen Mieter deshalb erheblich drauf. Bei einer Nettomonatsmiete in Höhe von 800 Euro und 2400 Euro Bürgschaftssumme summieren sich die Kosten binnen 10 Jahren auf etwa die Hälfte der eigentlich fälligen Kaution. Selbst eine vorübergehende Überziehung des Girokontos zur Finanzierung der Kautionssumme ist günstiger.

Vermieter muss Bürgschaft nicht akzeptieren

Vermieter müssen die Bürgschaft als Ersatz für eine Kaution nicht akzeptieren. Vorteile haben sie dadurch auch nicht, da sie auf eine Kaution jederzeit zugreifen können. Dass Vermieter Mietkautionen wegen der für sie kostenlosen Bonitätsprüfung potenzieller Mieter bevorzugen würden, ist ein Marketing-Gerücht. Fordert ein Vermieter eine Verbraucherauskunft von einem Interessenten, kostet ihn dies auch nichts.

Wer sich um eine begehrte Wohnung bewirbt, stellt sich mit einer entsprechenden Anfrage womöglich selbst in Abseits: Das Mieten einer Bürgschaft lohnt sich nicht, wenn die Liquidität zur Verfügung steht. Vermieter können aus dem Wunsch nach einer Bürgschaftslösung deshalb schließen, dass keine Reserven gebildet wurden. Der ein oder andere könnte das als Ausschlussgrund betrachten.

Fazit: Auf eine Mietbürgschaft sollte nur zurückgegriffen werden, wenn es gar nicht anders geht. Ansonsten ist die klassische Barkaution ebenso wie eine nicht explizit als Mietkaution beworbene Bankbürgschaft günstiger.

Lohnt sich eine Mietkaution? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Ernest am Mittwoch, 23. Februar 2011 um 16:03 Uhr.