Welche staatliche Förderung gibt es für die private Altersvorsorge?

Der Staat fördert die private Altersvorsorge unter bestimmten Bedingungen und innerhalb festgelegter Grenzen. Die Riester-Rente ermöglicht Arbeitnehmern steuerliche Vorteile oder Zuschüsse, die Basisrente eignet sich für Selbständige und Freiberufler.

 
 

Die Riester-Rente ist mir rund 13 Millionen abgeschlossenen  Verträgen die populärste Form der staatlich geförderten Altersvorsorge in Deutschland. Sie eignet sich für alle, die in die gesetzliche Sozialversicherung einzahlen bzw. dies dem Grunde nach versicherungspflichtig sind. Damit spricht die Riester-Rente vor allem Arbeitnehmer an. Auch Beamte können die Förderung jedoch nutzen.

Der Staat fördert Einzahlungen in zertifizierte Verträge mit Zulagen oder Steuervorteilen. Eine Kombination aus beidem gibt es anders als manchmal fälschlicherweise behauptet, nicht. Einzahlungen bis zu einer Höhe von 4 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens können über den Sonderausgabenabzug steuerlich geltend gemacht werden. Maximal können auf diesem Weg 2100 Euro pro Jahr (4200 Euro bei gemeinsam veranlagten Ehegatten) geltend gemacht werden. Mindestens müssen 60 Euro pro Jahr in den Vertrag einbezahlt werden.

Zulage oder Steuerabzug? Das Finanzamt entscheidet

Das zuständige Finanzamt prüft, ob statt der Steuerersparnis die gesetzlich festgelegten Zuschüsse günstiger für Sparer sind. Ist dies der Fall, werden die Zuschüsse statt des Abzugs gewährt. In der Praxis kommt es zu einer Gewährung des Abzugs und der Zulagen. Die Steuerschuld erhöht sich aber dann um den Anspruch auf die Zulagen. Dadurch wird eine doppelte Förderung vermieden.

Die Zuschüsse setzen sich aus einer Grund- und einer Kinderzulage zusammen und werden  ggfls. Noch um einen Berufseinsteigerbonus erweitert. Die Grundzulage beträgt 154 Euro im Jahr. Für jedes kindergeldberechtigte Kind zahlt der Staat weitere 185 Euro bzw. 300 Euro für Kinder, die nach dem Jahr 2007 geboren sind.

Junge Sparer erhalten im ersten Vertragsjahr eine um 200 Euro erhöhte Zulage, wenn sie nach 1982 geboren sind und zu Beginn des Jahres in dem der Vertrag geschlossen wird ihr 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Zulagen werden nicht an Sparer ausbezahlt, sondern direkt in den Vertrag geleistet.

Förderung nur für zertifizierte Verträge

Die staatliche Förderung gilt nur für Altersvorsorgeverträge, die durch die Finanzaufsicht als solche eingestuft und entsprechend zertifiziert wurden. Die Rentenzahlungen dürfen nicht vor der Vollendung des 60. Lebensjahres beginnen.

Die Rente muss als lebenslange Rente bezahlt werden. Eine einmalige Kapitalabfindung, wie sie bei privaten Rentenversicherungen möglich ist, darf für maximal 30 Prozent der angesparten Guthaben möglich sein. Die Anbieter müssen zudem gewährleisten, dass beim Eintritt in den Ruhestand mindestens die einbezahlten Beiträge als Vertragsguthaben zur Verfügung stehen.

Sparer können zwischen verschiedenen Vertragsformen wählen. Neben klassischen Rentenversicherungen können auch fondsgebundene Rentenversicherung mit der Riester-Förderung kombiniert werden. Auch Fonds- und Banksparpläne werden gefördert. Fondssparpläne sind aufgrund der vom Gesetzgeber geforderten Kapitalgarantie allerdings mit Einschränkungen verbunden, weil der Aktienanteil naturgemäß gering ist. Das gilt auch für fondsgebundene Rentenversicherungen.

Eigenheim-Rente: Riester-Zulage für die eigenen vier Wände

Seit einigen Jahren kann die Riester-Förderung auch für den Bau oder Erwerb eines selbstgenutzten Eigenheims genutzt werden. Nicht nur Einzahlungen in Bausparverträge können steuerlich bzw. mit den Zulagen gefördert werden.

Wird ein geförderter Sparvertrag unterhalten, können die angesparten Guthaben Bau- und Erwerbsvorhaben entnommen werden. Auch die Tilgung von Krediten über Riester-Verträge ist möglich, sofern mit dem Kredit eine selbstgenutzte Immobilie finanziert wird. Gefördert wird auch der Erwerb von Anteilen an Wohnungsbaugenossenschaften.

20.000 Euro von der Steuer absetzen mit der Basisrente

Selbständige und Freiberufler haben in der Regel keinen Zugang zur Riester-Förderung. Sie können mit der Basisrente, die auch als Rürup-Rente bekannt ist, steuerlich gefördert für ihren Ruhestand vorsorgen. Zuschüssen gibt es nicht – wie hoch die Vorteile ausfallen, ist ausschließlich vom Grenzsteuersatz und damit vom  persönlichen Einkommen abhängig.

Einzahlungen in zertifizierte Verträge können bis zu einer Höhe von 20.000 Euro pro Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Gemeinsam veranlagte Ehegatten können 40.000 Euro pro Jahr absetzen. Die Einzahlungen werden vom Finanzamt nicht vollständig, sondern nur zu einem bestimmten Prozentsatz anerkannt. Im Jahr 2011 beträgt dieser Prozentsatz 72 Prozent. Er steigt bis zum Jahr 2025 jedes Jahr um 2 Prozentpunkte an.

Als Sparformen kommen bei der Basisrente klassische und fondsgebundene Rentenversicherungen, britische Lebensversicherungen sowie Fondssparpläne in Betracht. Die Anbieter müssen die eingezahlten Beiträge zum Beginn der Auszahlungsphase garantieren. Die Auszahlung muss als monatliche Rente erfolgen. Eine Kapitalabfindung darf weder ganz noch teilweise möglich sein. Zudem dürfen die Ansprüche aus dem Vertrag nicht vererbbar, beleihbar oder auf andere Weise kapitalisierbar sein.

Staatliche Förderung ist nicht alles

Dass die private Altersvorsorge für verantwortungsbewusste Bürger unerlässlich ist, steht außer Frage: Die gesetzlichen Rentenansprüche reichen schon heute für immer weniger Rentner tatsächlich aus. Staatliche Förderung ist grundsätzlich ein Vorteil und kann vor allem bei einem hohen Einkommen und entsprechender Steuerersparnis viel zu den eigenen Zielen beitragen.

Verbraucher sollten aber keineswegs blind die nächstbeste geförderte Vorsorge unterschreiben. Viele Anbieter machen sich die staatliche Förderung zunutze und verkaufen überteuerte Produkte unter dem Mantel von Zuschüssen und Steuerersparnis. Ein Angebot ist deshalb nur dann legitim, wenn es auch ohne staatliche Förderung einen Nutzen bringt. Die Förderung kann diesen nur erweitern, aber niemals ersetzen.

Fazit: Die Riester-Rente ist für Arbeitnehmer und die Basisrente für Selbständige die richtige Lösung. Die gewählte Vertragsform sollte zu den persönlichen Vorstellungen und zum eigenen Anlageprofil passen und nicht allein durch die Förderung überzeugen.

Welche staatliche Förderung gibt es für die private Altersvorsorge? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Ernest am Donnerstag, 24. Februar 2011 um 9:56 Uhr.