Abgezockt vom Notdienst: Was ist erlaubt und was nicht?

Schlüsseldienste und andere Unternehmen nutzen die Notlage von Verbrauchern manchmal aus und stellen überhöhte Rechnungen. Auch wenn Zuschläge für Nachtarbeit und Anfahrten legitim sind, müssen sich Verbraucher nicht bedingungslos ausnehmen lassen.

 
 

Wer seinen Haustürschlüssen verliert oder sich selbst aus seiner Wohnung aussperrt, ruft den Schlüsseldienst. Rückt dieser an, kann es schnell richtig teuer werden: Für die Anfahrt und das Auswechseln des Türschlosses verlangen manche Unternehmen 200 bis 300 Euro.

Wer selbst in einem solchen Dilemma steckt und nicht mehr in die Wohnung gelangt, sollte trotz der ärgerlichen Situation kühlen Kopf bewahren. Schon beim Anruf sollte der Schlüsseldienst nach den Kosten gefragt werden. Zumindest die Kosten für die Anfahrt und die Höhe eines eventuellen  Nachtzuschlags sollten die Dienste nennen können.

Tür nur zugefallen: Schloss auswechseln unnötig

Auch wenn die Mehrzahl der Schlüsseldienste seriös arbeitet, gibt es einige schwarze Schafe, die arglose Verbraucher schröpfen. Eine immer wieder angewandte Vorgehensweise, besteht darin, das Schloss auszuwechseln und dafür eine hohe Rechnung zu stellen. In vielen Fällen ist das aber unnötig. Insbesondere wenn eine Tür nur zugefallen ist, lässt sie sich vom Fachmann mit dem geeigneten Werkzeug problemlos und schnell öffnen, ohne dass das Schloss entfernt werden muss.

Auch einige Elektronotdienste nutzen die schwierige Situation verzweifelter Anrufer gerne aus und verlangen überhöhte Preise bis hin zur Sittenwidrigkeit. Einige der Vertragsklauseln wurden von der Rechtsprechung bereits kassiert. So zum Beispiel Vereinbarungen darüber, dass der Einsatz auch dann in voller Höhe berechnet wird, wenn eine Störung nur provisorisch oder auch gar nicht behoben werden kann. Selbst wenn Verbraucher eine solche Klausel in ihrer Notlage unterzeichnen, müssen sie nicht zahlen und können zunächst die ordnungsgemäße Reparatur verlangen.

Sittenwidrige Festpreisvereinbarungen

Als sittenwidrig wurden von Gerichten auch schon Festpreisvereinbarungen eingestuft, die Verbraucher in ihrer Notsituation gezwungenermaßen unterzeichneten. Für 30 Minuten Arbeit wurden am Ende mehr als 100 Euro berechnet, so dass der Preis nach geltender Rechtsprechung in einem erheblichen Missverhältnis zur erbrachten Leistung steht, was nach deutschem Recht gegen die guten Sitten verstößt.

Auch im Hinblick auf Anfahrtskosten müssen sich Verbraucher nicht alles gefallen lassen. Wer ein Unternehmen unter der lokalen Festnetznummer erreicht, darf auch davon ausgehen, dass sich das Unternehmen vor Ort befindet und die Anfahrt entsprechend moderat ausfällt. Werden hinterher höhere Anfahrtskosten in Rechnung gestellt – zum Beispiel weil unter der lokalen Nummer nicht die Monteure sondern nur das Büro erreicht wird – müssen diese nicht gezahlt werden.

Fazit: Vor dem Herbeirufen sollte so gut wie situationsbedingt verglichen und verhandelt werden. Nach dem Einsatz können unverschämte Kosten unter Umständen auf gerichtlichem Wege zurückgefordert werden.

Abgezockt vom Notdienst: Was ist erlaubt und was nicht? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Ernest am Montag, 28. Februar 2011 um 9:50 Uhr.