Wann ist eine Honorarberatung sinnvoll?

Honorarberatung ist eine sinnvolle Alternative zur provisionsgesteuerten Beratung bei Banken und Versicherungen, wenn wichtige finanzielle Entscheidungen anstehen und der unabhängige Rat eines Experten benötigt wird. Aufgrund der geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen ist es jedoch zwingend erforderlich, einem Berater bestimmte Standards abzuverlangen.

 
 

Das Grundprinzip der Honorarberatung basiert auf der Unabhängigkeit des Beraters. Ein Honorarberater legt die die Provisionen für von ihm empfohlene Produkte nicht nur offen, sondern zahlt sie auch an seinen Mandanten aus. Sein Honorar erhält der Berater direkt von seinem Kunden. Nur auf diese Weise lässt sich eine unabhängige Beratung gewährleisten, weil die Entscheidung des beratenen Kunden keinerlei Auswirkungen auf die Bezüge des Beraters hat.

Bankberatung ist selten objektiv

Warum eine Honorarberatung sinnvoll und das vom Kunden direkt zu bezahlende Honorar gerechtfertigt ist, zeigt ein Blick auf die tägliche Praxis in der vermeintlich kostenlosen Beratung durch Banken und Versicherungen. Die Berater agieren als Verkäufer im Interesse der Unternehmen und raten dem Kunden deshalb nicht zwingend zu dem für seine Interessen besten Produkt.

Durch die in weiten Teilen provisionsbasierte Vergütung  ist ein objektiver und unabhängiger Rat kaum möglich: Für die erfolgreiche Empfehlung eines aktiv verwalteten Investmentfonds erhalten Bankberater ein Vielfaches der Provision, die bei einem kostengünstigen Indexfonds gezahlt wird. Ein Interessenskonflikt ist deshalb vorprogrammiert, auch wenn die Finanzbranche dies naturgemäß bestreitet.

Schon bei verhältnismäßig geringen Anlagesummen lohnt sich deshalb der Gang zum Honorarberater. Das Honorar für die einstündige Erstberatung in Höhe von durchschnittlich etwa 150 Euro macht bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro 1,5 Prozent aus. Ein falscher Rat kann  – durch Abschluss- und Verwaltungskosten – schnell ein Vielfaches davon betragen. Allein das Aufgeld eines in den meisten Fällen unpassenden geschlossenen Immobilienfonds beträgt regelmäßig 5 Prozent der Anlagesumme.

Vorsicht vor Mischformen

Die Honorarberatung ist in Deutschland weder begrifflich noch inhaltlich geschützt. Grundsätzlich kann  sich jeder Finanzberater als Honorarberater bezeichnen und von seinen Kunden eine Gebühr für die Beratung verlangen. Die Gebühr allein sagt nichts darüber aus, ob der Berater für Vermittlungen Provisionen erhält. Im schlimmsten Fall wird der Kunde nicht besser beraten als bei einer Bank oder Versicherung und zahlt zusätzlich eine Gebühr.

Ob und wann es in dieser Hinsicht strengere gesetzliche Regeln geben wird, ist ungewiss. Anleger können sich an der Mitgliedschaft eines Beraters in Vereinigungen wie dem Verbund Deutscher Honorarberater orientieren. Die Interessenvertretung fordert u.a. eine gesetzliche Verankerung der Honorarberatung in Deutschland.

Fazit: Honorarberatung ist im Zweifel die bessere Alternative zu einem De-Facto-Verkaufsgespräche bei Banken und Versicherungen. Das Geld ist aber nur gut angelegt, wenn es sich um einen „echten“ Honorarberater handelt, der sämtliche Provisionen an den Kunden auszahlt und keinerlei Interessenskonflikten unterliegt.

Wann ist eine Honorarberatung sinnvoll? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Ernest am Samstag, 26. Februar 2011 um 11:50 Uhr.