Wann und wie viel muss die Bahn bei Verspätung zahlen?

Seit Juli 2009 gilt in Deutschland ein neues Fahrgastrechtegesetz, das Ansprüche von Bahnkunden bei Verspätungen und Zugausfällen regelt. Die Bahn muss Fahrpreise ganz oder anteilig erstatten und in bestimmten Fällen auch die Kosten für Taxi und Hotelübernachtung tragen.

 
 

Hat ein Zug mehr als eine Stunde Verspätung, muss die Bahn 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Ab zwei Stunden Verspätung erhöht sich der Entschädigungsanspruch auf 50 Prozent. Maßgeblich ist dabei nicht das Eintreffen des Zuges im Abfahrtsbahnhof, sondern ausschließlich die Ankunft am Zielort. Der Entschädigungsanspruch muss mindestens 4 Euro betragen, damit er ausbezahlt werden kann.

Das Fahrgastrechtegesetz sieht auch ein Rücktrittsrecht von Bahnkunden vor. Verspätet sich der Zug um mehr als eine Stunde, muss die Fahrt nicht angetreten werden. Verbraucher können dann den vollständigen Ticketpreis zurückverlangen. Erstattungsgebühren sind in diesem Fall nicht zulässig. Zudem ist es möglich, zu einem anderen Zeitpunkt zu fahren und dann ggf. auch eine andere Strecke (mit dem ursprünglichen Ziel) zu nutzen.

80 Euro Taxikosten muss die Bahn erstatten

Die Bahn muss unter bestimmten Umständen auch die Kosten für ein Taxi erstatten. Die Erstattungspflicht gilt für Züge, die bei einer planmäßigen Ankunft zwischen 24.00 Uhr und 05.00 Uhr Verspätung haben oder ganz ausfallen. Die Bahn muss bis zu 80 Euro für eine aus diesem Grund notwendige Taxifahrt erstatten. Ist die Ankunft am Zielort gar nicht möglich – zum Beispiel im winterlichen Chaos – muss die Bahn eine kostenlose Hotelunterkunft bereitstellen.

Bereits ab 20 Minuten Verspätung dürfen Fahrgäste in Züge zum Zielort steigen, die sie mit ihrem Ticket eigentlich gar nicht gebucht haben. Gilt ein Ticket zum Beispiel regulär nur für Regionalbahnen, darf bei entsprechender Verspätung auch ein ICE genutzt werden. Ausgenommen vom Einstiegsrecht sind lediglich Züge mit Reservierungspflicht. Dazu zählen zum Beispiel Nachtzüge oder Autozüge.

Streitfall Streik: Die Bahn beruft sich auf höhere Gewalt

Strittig ist bislang, ob die Fahrgastrechte auch im Fall von Streiks gelten, die ursächlich für die Verspätungen und Ausfälle sind. Die Deutsche Bahn betrachtet Streiks von Zugführern als höhere Gewalt und sieht sich deshalb nicht in der Zahlungspflicht. Verbraucherschützer sehen das allerdings anders. Sie argumentieren wie auch einige führende Juristen auf dem Gebiet des Reiserechts, dass Streiks der eigenen Belegschaft dem Verantwortungsbereich des Bahnunternehmens zuzurechnen sind.

Das Fahrgastrechtegesetz gilt nicht nur für die Deutsche Bahn, sondern für alle Bahnunternehmen. Bei Verspätung oder Zugausfall müssen Fahrgäste ein Formular ausfüllen und einreichen. Bahnunternehmen sind zu einer Bearbeitung binnen drei Monaten gesetzlich verpflichtet. Die Erstattung kann wahlweise in Form von Gutscheinen oder Geld ausbezahlt werden.

Eine sofortige Erstattung am Bahnsteig bzw. dem Servicecenter am Bahnhof ist nur möglich, wenn die Verspätung des Zuges auf dem jeweiligen Formular bestätigt wurde. Die Bestätigung kann  beim Schaffner eingeholt werden. Eine Bestätigung auf der Fahrkarte reicht für eine sofortige Entschädigung am Bahnhof nicht aus. Ohne Bestätigung auf dem Formular muss die Entschädigung schriftlich angefordert werden.

Fazit: Rückerstattungen, Umbuchungen und Kosten für Taxi und Hotel müssen Bahnunternehmen übernehmen. Die Erstattung ist zum Teil unnötig kompliziert – vielleicht auch, weil mit dem Aufwand berechtigte Ansprüche ferngehalten werden sollen. Strittig sind zudem die Ansprüche bei Streiks innerhalb von Bahnunternehmen.

Hinweis: So erhalten Sie Ihre Entschädigung bei der Deutschen Bahn.

Wann und wie viel muss die Bahn bei Verspätung zahlen? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Mittwoch, 09. März 2011 um 18:50 Uhr.