Was bewirken sekundäre Pflanzenstoffe und in welchen Nahrungsmitteln stecken sie?

Sekundäre Pflanzenstoffe können dem aktuellen Stand der Wissenschaft zufolge günstige Auswirkungen auf unsere Gesundheit ausüben. Sie sind in Obst und Gemüse enthalten und können freie Radikale an schädlichen Verbindungen mit anderen Molekülen hindern. Damit können sie zum Beispiel das Risiko für Krebserkrankungen mindern, die Cholesterinwerte senken oder antibiotisch wirken.

 
 

Der Begriff „sekundär“ ist im Zusammenhang mit den primären Pflanzenstoffen zu verstehen. Dabei handelt es sich um Fette, Proteine und Kohlenhydrate. Die sekundären Pflanzenstoffe sind nur in Kleinstmengen in einer Pflanze enthalten. Die Wissenschaft kennt derzeit etwa 100.000 sekundäre Pflanzenstoffe. Diese Anzahl wächst jedoch laufend, weil immer wieder neue Stoffe entdeckt bzw. identifiziert werden. Ein durchschnittlicher Erwachsener nimmt pro Tag etwa 1,5 Gramm auf – wie viel genau, ist abhängig von der Ernährung.

Sekundäre Pflanzenstoffe: Wo sie drin sind und was sie bewirken

Sekundäre Pflanzenstoffe werden in verschiedene Kategorien unterteilt. Die am häufigsten mit der Nahrung aufgenommenen Stoffe sind Polyphenole und Phytosterine. Polyphenole sind zum Beispiel in Äpfeln, Trauben, Beeren und Auberginen, aber auch in Kakao, Tee, Kaffee, Wein und Nüssen enthalten.

Ihnen wird nachgesagt, dass sie das Risiko für bestimmte Krebsarten senken und antioxidativ wirken. Die u.a. in Äpfeln und Beeren enthaltenen Flavonoide (die zu den Polyphenolen gehören) sollen auch das Risiko für bestimmte Herz-Kreislaufkrankheiten senken sowie Thrombose vorbeugen und Entzündungen hemmen.

Eine weitere wichtige Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe sind Karotinoide, wie zum Beispiel Betakarotin oder Lutein. Karotinoide sind z. B.  in Möhren, Tomaten, Spinat und Melonen enthalten. Sie wirken sich günstig auf das Risiko von Krebs- und Herz-Kreislaufkrankheiten aus. Zudem wirken sie altersbedingten Augenerkrankungen entgegen (Sicher bekannt: „Möhren sind gut für die Augen“).

Günstig für die Cholesterinwerte sind Phytosterine. Sie stecken in Sonnenblumenkernen, Sesamkörnern und in Sojaöl. Sulfide wiederum – reichlich enthalten in Knoblauch, Zwiebeln und Lauch – können ebenfalls das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senken, Blutdruck und Cholesterinwerte reduzieren und freien Radikalen entgegenwirken.

Die Konzentration kann vom Anbau abhängen

In Lebensmitteln wie Kohl, Rettich, Senf und Radieschen sind viele Phytoöstrogene enthalten. Auch sie wirken antioxidativ und können das Risiko für bestimmte Krebsarten senken. Sie begünstigen zudem den Knochenstoffwechsel.

Studien legen die Vermutung nahe, dass die Konzentration von sekundären Pflanzenstoffen in Nahrungsmitteln abhängig von verschiedenen Variablen ist. Die Stoffe erfüllen in einer Pflanze bestimmte Funktionen. Salat zum Beispiel enthält mehr Polypehnole, wenn er auf dem Feld und nicht im Gewächshaus gediehen ist. Das liegt an der stärkeren UV-Strahlung, der die Pflanze ausgesetzt ist und gegen die sie sich mit den Stoffen schützt.

Auch die Art der Zubereitung spielt eine wichtige Rolle. Werden Karotten nicht gekocht, sondern gedünstet, erhöht das den Gehalt an Karotinoiden. Noch höher ist die Konzentration, wenn zeitglich etwas Fett verzehrt wird.

In künstlicher Form nur  begrenzt empfehlenswert

Verbraucher sollten bei der Zusammenstellung ihrer Ernährung beachten, dass viele der den sekundären Pflanzenstoffen nachgesagten Wirkungen bislang nicht einwandfrei nachgewiesen werden konnten. Mitunter widersprechen sich verschiedene Studien. Unklar ist bei einigen Stoffen auch, ob eine anfangs positive Wirkung sich bei größerem Verzehr ins Negative umkehren kann. Praktisch keine belastbaren Erkenntnisse gibt es im Hinblick auf das Zusammenwirken verschiedener Stoffe.

In diesem Zusammenhang warnen Fachleute auch vor einem unkritischen Verzehr von Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln, denen sekundäre Pflanzenstoffe zugesetzt sind. In der Lebensmittelindustrie gibt es einen Trend zu Produkten, die angereichert sind und die auch dementsprechend beworben werden. Werden sekundäre Pflanzenstoffe in „künstlicher“ Form verzehrt, können die positiven Effekte sind aufheben. Sogar ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen ist möglich. Raucher etwa erhöhen mehreren Studien zufolge ihr Risiko für Lungenkrebs, wenn sie Betakarotin in hohen Dosen verzehren.

Fazit: Sekundäre Pflanzenstoffe können viel zur Gesundheit beitragen. Mehr Vitalität gibt es aber nicht umsonst: Der Nutzen der Bestanteile kommt vor allem im Rahmen einer insgesamt gesunden und ausgewogenen Ernährung zum Tragen und kann offensichtlich nur begrenzt durch Zusätze in Nahrungsmitteln ersetzt werden. Wunder sind von sekundären Pflanzenstoffen ohnehin nicht zu erwarten.

Was bewirken sekundäre Pflanzenstoffe und in welchen Nahrungsmitteln stecken sie? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Montag, 14. März 2011 um 19:08 Uhr.