Lohnt sich Zins-Hopping?

Für die einen ist es längst Gewohnheit, für die anderen Zeitverschwendung: Am Zinshopping scheiden sich die Geister. Die Gretchenfrage lautet: Lohnt es sich, sein Geld laufend von einem Tagesgeldkonto zum nächsten umzuschichten und so allen Neukundenangeboten hinterherzulaufen?

 
 

Tatsache ist: Bestandskunden erhalten für täglich fällige Einlagen häufig niedrigere Zinsen als Neukunden. Das liegt an der Preispolitik der Banken. Die setzen Tagesgeld als Instrument zur Kundengewinnung ein. Das Muster ist immer gleich: Neukunden erhalten hohe Zinsen und häufig zusätzliche Vorteile, wie Zinsgarantien oder Startguthaben. Nach einigen Monaten sinkt der Zinssatz dann deutlich ab  -auf das Niveau für Bestandskunden.

Zinshopping kann sich deshalb in der Tat lohnen. Während des gesamten Jahres 2010 lagen die besten  Angebote am Markt gut einen Prozentpunkt über dem Marktdurchschnitt. Bei durchschnittlich 100.000 Euro Anlagesumme bedeutet das einen Vorteil im Wert von 1.000 Euro.

Zinshopper müssen engagiert sein

Doch ganz so einfach ist es nicht. Banken gewähren auch Neukunden hohe Zinssätze nur selten für große Anlagebeträge. Meistens ist spätestens im mittleren fünfstelligen Bereich Schluss. Für größere Guthabenanteile gilt dann ein deutlich geringerer Zinssatz, der kaum über dem eines klassischen Sparbuchs liegt.

Wer größere Beträge durch Zinshopping profitabel anlegen möchte, muss deshalb mehrere Konten gleichzeitig führen. Der Aufwand ist dementsprechend größer: Es müssen laufend die aktuellen Angebote verglichen und Gelder umgeschichtet werden. Jedesmal müssen dabei die oft sehr kleinlichen Angebotsbedingungen studiert werden: Manchmal muss ein Girokonto eröffnet werden, manchmal gibt es attraktive Zinsen nur mit einer Revolving Card inklusive Bonitätsprüfung.

Der Aufwand eines Profi-Zinshoppers beschränkt sich keinesfalls auf die Suche nach guten Angeboten und die Kontoeröffnung per Postident. Nach dem Abzug der Gelder müssen die Konten auch ganz offiziell wieder geschlossen werden – sonst ist die Teilnahme an der nächsten Neukundenaktion nicht möglich.

Täglich verfügbar ist nicht alles

In den meisten Fällen gibt es besonders für größere Anlagebeträge eine einfache  und renditestarke Alternative zum Zinshopping: Mit Festgeldanlagen über 1 bis 2 Jahre Laufzeit lassen sich bequem Zinsen erzielen, die bei täglich fälligen Einlagen nur Neukunden vorbehalten sind.

Anleger zeigen häufig eine falsche Scheu für Festzinsanlagen. Es ist keineswegs erforderlich, dass sämtliche Guthaben jederzeit frei verfügbar sind. Für einfache Notfälle reicht ein einfacher Notgroschen. Und wenn es ganz dick kommt, lässt sich auch ein Festgeldkonto auflösen.

Fazit: Mit genügend Durchhaltevermögen können Zinshopper eine im Vergleich zu Tagesgeld für Bestandskunden höhere Rendite erzielen. Als langfristige Anlagestrategie für mehr als die eiserne Reserve taugt das jedoch selten – besser sind dann Festgeldanlagen.

Lohnt sich Zins-Hopping? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Samstag, 05. März 2011 um 16:30 Uhr.