Wie viele Schulden hat Deutschland?

Die Verbindlichkeiten der öffentlichen Haushalte der Bundesrepublik beliefen sich zum Ende des Jahres 2010 auf nahezu exakt 2 Billionen Euro. Das entspricht 80 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der BRD. Darin enthalten sind die Schulden von Bund, Ländern und Kommunen inklusive aller Nebenhaushalte.

 
 

Rein rechnerisch beträgt die Staatsschuld damit 24.450 Euro pro Kopf. Das ist der Betrag, den jeder der rund 82 Millionen Bundesbürger einmalig an den Staat zahlen müsste, damit dieser alle seine  Schulden begleichen kann. Bei dieser Zahl handelt es sich lediglich um einen theoretischen Wert. Dennoch machen die Schulden immer mehr Bürgern Sorge, zumal die Staatsverschuldung immer weiter ansteigt.

Woher kommen die Schulden?

Der Schuldenstand in Höhe von 2 Billionen hat sich nicht über Nacht angehäuft. Seit Jahrzehnten lebt der Staat über seine Verhältnisse. Erb gibt Jahr für Jahr mehr aus als er einnimmt. Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben finanziert der Staat durch Kredite von Banken und durch die Emission von Anleihen am Kapitalmarkt.

Das Statistische Bundesamt führt Buch über die Entwicklung der Schulden und ermöglicht auch eine Zuordnung zu den verschiedenen Gebietskörperschaften. Der größte Anteil der Schulden entfällt auf den Bund, der Verbindlichkeiten in Höhe von 1285 Mrd. Euro aufgehäuft hat. Die 16 deutschen Bundesländer haben zusammen 595 Mrd. Euro Schulden und bei den sind es Kommunen 120 Milliarden.

Wer zahlt für die Schulden?

Der Staat muss wie jeder andere Kreditnehmer auch Zinsen für seine Verbindlichkeiten zahlen. Derzeit beläuft sich der durchschnittliche Zinssatz auf 4 Prozent, so dass Jahr für Jahr 80 Mrd. Euro Zinsen an die Gläubiger gezahlt werden müssen. Dieses Geld wird von den Steuerzahlern aufgebracht. Gäbe es die Staatsschulden nicht, könnte die Mehrwertsteuer von heute 19 auf etwa 11 Prozent gesenkt werden.

Mit 4 Prozent Zinsen kommt der deutsche Staat günstig davon. Er zahlt weniger Zinsen als andere Staaten, weil Deutschland als einer der sichersten Schuldner der Welt gilt. Ändert sich dies eines Tages, könnten auch die Zinsen drastisch steigen. Dann müssten die Steuern erhöht und/oder Leistungen des Staates eingeschränkt werden.

Kann Deutschland pleite gehen?

Auch Staaten können insolvent werden, wenn sie zu viele Schulden anhäufen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das von Überschuldung bedrohte Griechenland. In der Vergangenheit hat es jedoch sehr viele Staatspleiten gegeben. Argentinien zum Beispiel wurde zu Beginn des letzten Jahrzehnts zahlungsunfähig.

Auch Deutschland war bereits mehrfach bankrott, wenn auch nicht zu Zeiten der Bundesrepublik. In den 1920er Jahren entledigte sich die damalige Reichsregierung ihrer hohen Schulden, indem sie Geld in riesigen Mengen drucken ließ. Das Geld verlor seinen Wert – und damit waren auch die Schulden getilgt. Ein solches Vorgehen gilt jedoch als wirtschaftlich und politisch sehr riskant. Auch Deutschland hat es damals sehr geschadet.

Fazit: Deutschland hat unvorstellbar viele Schulden und es werden immer mehr. Eine Pleite ist derzeit aber unwahrscheinlich – auch weil den hohen Schulden eine leistungsfähige Volkswirtschaft entgegensteht.

Wie viele Schulden hat Deutschland? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Donnerstag, 10. März 2011 um 16:38 Uhr.