Macht eine Immobilienfinanzierung beim Hypothekenmakler Sinn?

Hypothekenvermittler haben auf dem deutschen Baufinanzierungsmarkt beträchtlich an Bedeutung gewonnen. Paradoxerweise bieten sie häufig nicht nur eine größere Auswahl und damit mehr Gestaltungsmöglichkeiten, sondern auch günstigere Konditionen.

 
 

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es handelt sich bei diesem Beitrag nicht um eine PR-Aktion für Hypothekenvermittler! Auf den ersten Blick erscheint es jedoch zwangsläufig fragwürdig, warum ein Vermittler günstigere Konditionen bieten sollte als eine Bank. Wer einen Vermittler aufsucht, rechnet schließlich damit, dass dieser zusätzlich zur Bank an jedem Geschäft verdienen möchte.

In der Praxis ist jedoch das Gegenteil der Fall. Die unabhängige FMH Finanzberatung veröffentlichte im  Februar 2011 eine Kurzstudie auf der Grundlage ihrer eigenen Daten zu der Thematik. Das Ergebnis: Die großen Vermittler bieten rund 25 Prozent der Darlehen ihres Portfolios zu günstigeren Konditionen an als die jeweilige Bank selbst. In 70 Prozent der Fälle waren die Konditionen identisch. Nur in 5 Prozent mussten Kunden beim Vermittler mehr zahlen als bei der Bank.

Gute Vermittler arbeiten im Interesse des Kunden

Das Vermittler in vielen Fällen der bessere Ansprechpartner sind, hat mehrere Gründe. Zum einen kann ein Vermittler zwischen den Konditionen vieler Bankpartner vergleichen. Banken ändern ihre Angebotszinssätze für Hypothekendarlehen mitunter täglich. Sofern der Vermittler im Interesse seines Kunden arbeitet, unterbreitet er diesem anschließend das beste Angebot.

Noch wichtiger als das große Portfolio ist die Preispolitik vieler Banken. Die Kreditinstitute nutzen keine simple Kalkulation, bei der den eigenen Kosten ein bestimmter Prozentsatz als Gewinn zugeschlagen wird. Diese Zeiten sind (auch) im Bankgeschäft lange vorbei. Die Institute wissen, dass sich die potenzielle Kundschaft im Hinblick auf Informationsstand und Zahlungsbereitschaft erheblich unterscheidet. Deshalb wird versucht, die unterschiedlichen Kundenprofile „abzuschöpfen“.

Die Hausbank „um die Ecke“ verlangt regelmäßig 50 bis 150 Basispunkte mehr, als das günstigste Angebot am Markt kostet. Sie verkauft nicht nur Kredite, sondern auch Präsenz vor Ort, Vertrauen etc. Würde die dazu übergehen, sich über den Preis zu positionieren und aggressiv mit günstigen Zinssätzen zu werben, würde sie den falschen Markt bearbeiten. Die Bank müsste nach der Preissenkung zudem mit Beschwerden ihrer Bestandskunden.

Vermittler als diskreter Absatzkanal für günstige Kredite

Will die Bank dennoch zweigleisig fahren und neben dem Markt mit hohen Gewinnmargen auch den Markt für besonders preissensitive Kunden abdecken, bedient sie sich mit einem Vermittler eines diskreten, zweiten Absatzkanals. Über diesen kann sie Kredite zu sehr viel günstigeren Konditionen anbieten als in ihrer Geschäftsstelle, ohne dass sich ein Konflikt zwischen beiden Märkten ergibt.

Wer eine Neu- oder Anschlussfinanzierung benötigt, sollte den Gang zu einem Vermittler keinesfalls ausschließen. Selbst wenn es eine starke Präferenz für die Hausbank in Wohnortnähe gibt lohnt sich dieser Schritt: Das in der Regel signifikant günstigere Angebot des Vermittlers kann als Verhandlungsargument dienen. Mit der Vermittler-Offerte in der Hand identifiziert sich ein Kunde gegenüber seiner Bank als informiert und interessiert am Preis. Das steigert die Verhandlungsbereitschaft der Gegenseite spürbar.

Der Großteil der Hypothekenvermittler auf dem deutschen Markt arbeitet entgegen dem mitunter miserablen Image der Branche seriös. Unseriöse Vermittler lassen sich schnell an Forderungen zu Vorkosten, dubiosen Honoraren etc. erkennen.

Fazit: Ein seriöser und aufrichtiger Hypothekenvermittler bietet eine breite Auswahl als die Hausbank und kann nicht selten auch günstigere Konditionen bereitstellen. Bei der Suche nach einem Immobilienkredit sind Vermittler deshalb eine Pflichtadresse, selbst wenn ihr Angebot später nur als Verhandlungsargument gegenüber der Hausbank dient.

Macht eine Immobilienfinanzierung beim Hypothekenmakler Sinn? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Freitag, 11. März 2011 um 16:44 Uhr.