Mängel an der Wohnung: Wie hoch darf eine Mietminderung sein?

Mängel an einer Mietwohnung berechtigen den Mieter zur Kürzung der Miete. Damit Geld einbehalten werden kann müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein. In welcher Höhe dann eine Mietminderung in Betracht kommt, kann grob anhand einschlägiger Gerichtsurteile eingeschätzt werden.

 
 

Vermieter sind für den ordnungsgemäßen Zustand der Wohnung verantwortlich. Je größer ein Mangel ist, desto höher kann auch die Mietminderung ausfallen. Maßgeblich ist vor allem der Grad der Beeinträchtigung der Nutzbarkeit der Wohnung durch den Mietmangel. Besonders gravierend ist ein vollständiger Stromausfall (sofern er länger andauert). Dann kann der Mieter die Miete um 100 Prozent kürzen.

Stromausfall und Giftstoffe: 100 Prozent Mietminderung möglich

Eine 100prozentige Mietminderung kommt auch ansonsten nur bei sehr gravierenden Beeinträchtigungen in Frage – etwa, wenn sich mehrere giftige Schadstoffe gleichzeitig in der Raumluft befinden. Auch bei größeren Bauarbeiten im Haus können Mieter jedoch die Miete deutlich kürzen. Wird das Dachgeschoss im Haus ausgebaut, sind laut früheren Gerichtsurteilen 80 Prozent Nachlasse auf die Bruttomiete angemessen. Bei einer umfangreichen Sanierung im Haus kann die Miete immerhin noch halbiert werden. 25 Prozent Kürzung sind möglich, wenn Baulärm aus einem angrenzenden Neubaugebiet die Ruhe stört.

Können Dusche oder Badewanne nicht benutzt werden, sind je nach Urteilsspruch 15 bis 20 Prozent Mietminderung möglich. Funktioniert die Dusche nur schlecht, sind 5 Prozent angemessen. Ein unbrauchbarer Balkon berechtigt zu 15 Prozent Reduzierung. Weist der Briefkasten Mängel auf, sind lediglich 0,5 Prozent Mietminderung möglich. Fehlt der Briefkasten ganz, darf der Mieter die Miete um 3 Prozent kürzen.

Grund zur fristlosen Kündigung?

Mieter müssen ihren Vermieter über einen Mangel umgehend informieren und ihm die Möglichkeit zu Maßnahmen geben, mit denen das Problem beseitigt werden kann. Erst wenn dies nicht erfolgt kommt eine Minderung der Miete in Betracht. Diese sollte unbedingt angekündigt werden. Bei sehr großen Mängeln besteht mitunter auch das Recht zu einer fristlosen Kündigung – z. B. wenn ein starker und gesundheitsschädlicher Schimmelbefall vorliegt und die Wohnung als unbewohnbar eingestuft werden muss.

Bei den genannten Prozentsätzen handelt es sich um Entscheidungen von Gerichten zu konkreten Fällen und nicht um gesetzlich formulierte Ansprüche. Jedes Gericht kann anders entscheiden und auch die Höhe der zulässigen Mietminderung ganz neu und abhängig vom Einzelfall festsetzen.

Fazit: Mietminderung ist möglich und rechtens, wenn triftige Gründe vorliegen. Ist der Mangel an der Wohnung nicht extrem, ist die Bandbreite der von Gerichten für angemessen befundenen Kürzungen jedoch mitunter groß.

Mängel an der Wohnung: Wie hoch darf eine Mietminderung sein? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Donnerstag, 17. März 2011 um 19:10 Uhr.