Atomunfall: Was bringen Jodtabletten?

Das Reaktorunglück im japanischen Fukushima hat weltweit zu einer steigenden Nachfrage nach Jodtabletten geführt. Das Jod kann in gewissen Grenzen vor den Strahlen schützen. Die Einnahme ist jedoch nur im absoluten Ernstfall empfehlenswert und in Europa im Zusammenhang mit der Katastrophe in Japan  überflüssig. Die Tabletten bergen sogar ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko.

 
 

In den ersten Tagen nach einem radioaktiven Unfall befinden sich in der Luft viele Teilchen der Isotope Jod-131 und Jod-133. Das Risiko für Menschen besteht in einer Aufnahme des verstrahlten Jods durch die Schilddrüse. Hier setzen Jodtabletten an: In hoher Dosierung lagert sich nicht verstrahltes Jod über das Hormon Thyroxin in der Schilddüse ein und „blockiert“ sie so für Wochen für radioaktiv verseuchtes Jod.

Die schützende Wirkung greift nur, wenn die Tabletten im unmittelbaren zeitlichen Umfeld des Auftretens einer erhöhten Strahlenbelastung eingenommen werden. Die Einnahme muss wenige Stunden vor bis wenige Stunden nach dem Kontakt mit Radioaktivität eingenommen werden.

Einnahme kann Schilddrüsenüberfunktion bewirken

Die Einnahme sollte nach Ansicht von Medizinern nur auf behördliche Anweisung erfolgen. Die zuständigen Sicherheitsbehörden halten Jodtabletten für die Bevölkerung in der Nähe von Kernkraftwerken vor und teilen im Ernstfall mit, wenn die Einnahme erforderlich scheint. Die Nebenwirkungen sollten ohne akute Bedrohung nicht in Kauf genommen werden. Die hohe Dosis Jod kann eine Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen. Deren Symptome reichen von Unruhe und Schwitzen bis hin zu Zittrigkeit und Herzrasen.

Jodtabletten helfen nicht gegen die Strahlung durch andere radioaktive Stoffe wie Cäsium. Allerdings setzen sich andere Stoffe auch nicht so im Körper fest wie Jod. Gegen einen vorbeugenden Kauf von Jodtabletten und die Lagerung zuhause für den Ernstfall spricht grundsätzlich nichts. Die Tabletten sind in Apotheken erhältlich und kosten rund 3 bis 4 Euro. Vor dem Kauf sollte mit dem Hausarzt jedoch unbedingt abgesprochen werden, ob eine Einnahme im Ernstfall theoretisch ohne Gefahr für die Gesundheit möglich ist. Auch wenn dies der Fall ist, sollten Jodtabletten nur auf eine behördliche Warnung hin geschluckt werden.

Wenn Tabletten gekauft werden, sollten es auch die Richtigen sein. Viele Verbraucher haben sich im Angesicht der japanischen Katastrophe mit Tabletten gegen Jodmangel eingedeckt. Diese sind jedoch viel zu gering dosiert. Statt der 130 Milligramm, die ein Erwachsener im Ernstfall nehmen müsste, enthalten diese Tabletten nur 100 bis 200 Mikrogramm. Dann müssten 1000 Stück eingenommen werden. Auch der Kauf von jodiertem Speisesalz schützt dementsprechend nicht.

Fazit: Jodtabletten sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Deutschland vollkommen überflüssig. Wer sie entgegen der Empfehlung von Medizinern einnimmt, riskiert ohne erkennbaren Nutzen eine ernste Schilddrüsenerkrankung. Gegen einen vorsorglichen Kauf und die Lagerung zuhause spricht nach Absprache mit dem Hausarzt nichts. Dann sollten aber unbedingt die richtigen Tabletten mit ausreichender Dosierung gekauft werden.

Atomunfall: Was bringen Jodtabletten? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Mittwoch, 30. März 2011 um 20:22 Uhr.