Zahlt die Krankenkasse medizinische Behandlungen im Ausland?

Viele medizinische Leistungen sind in Deutschland sehr teuer. Immer mehr Patienten zieht es deshalb ins Ausland – und die Krankenkassen spielen sogar mit und zahlen. Damit die Kasse eine Behandlung in einem anderen EU-Staat übernimmt, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein.

 
 

Medizintourismus ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Ob Zahnbehandlung, Augenoperation, Kur oder Schönheits-OP: In Tschechien, Ungarn und Polen betragen die Behandlungskosten oft nur einen Bruchteil von dem, was in Deutschland fällig wird. Die Qualität soll darunter nicht leiden. Anbieter in Osteuropa jedenfalls sehen den wesentlichen Grund für die geringeren Kosten in einem insgesamt niedrigeren Preisniveau und moderateren Gehaltsvorstellungen der Mediziner.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten einer gezielten Behandlung im Ausland, wenn sie im Leistungskatalog enthalten sind. Wird für die Kostenübernahme in Deutschland ein Heil- und Kostenplan (das medizinische Pendant zum Kostenvoranschlag) vorausgesetzt, gilt das auch im Ausland. Der behandelnde Arzt muss deshalb rechtzeitig um die Erstellung des Plans ersucht werden.

Genehmigung vor der Behandlung einholen

Erst nach der Genehmigung durch die Kasse darf die Behandlung beginnen – sonst muss sie die Kosten nicht tragen. Im Angebot des Arztes bzw. der Klinik müssen alle Leistungen aufgeführt werden. Werden etwa Kosten für die Narkose nicht berücksichtigt, kann es später zu Problemen mit der deutschen Krankenkasse kommen.

Obligatorisch ist ein Heil- und Kostenplan zum Beispiel bei geplanten Krankenhausaufenthalten, Kuren oder Zahnersatz. Patienten sollten sich auch dann im Vorfeld einer Behandlung im Ausland bei ihrer Kasse nach den geltenden Leistungen erkundigen, wenn kein Kostenplan eingereicht werden muss. Die Kontaktaufnahme sollte in jedem Fall schriftlich erfolgen – der Anruf bei einem Call-Center der Kasse ist im Zweifel nicht viel wert.

Die Krankenkasse kann bei der Suche nach einem guten Arzt im Ausland behilflich sein. Sie können etwa Adressen nennen, mit denen ihre Mitglieder zufrieden waren und bei denen es keine Komplikationen gab. Solche Informationen können die Auftritte von Ärzten und Kliniken im Internet sinnvoll ergänzen. Ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium ist das ISO-Zeichen nach europäischen Standards.

Mit dem behandelnden Arzt sollte zudem unbedingt eine kostenlose Nachbehandlung für den Fall vereinbart werden, dass das Ergebnis nicht ausfällt wie gewünscht. Es ist möglich, einen solchen Gewährleistungsvertrag nach deutschem Recht abzuschließen. Eine eventuelle Nachbehandlung in Deutschland müssen Patienten sonst aus eigener Tasche zahlen.

Reisekosten und Nachbehandlungen einkalkulieren

Beim Vergleich der Preise von Behandlungen im In- und Ausland müssen selbstredend auch die Reisekosten berücksichtigt werden. Besonders wenn eine mehrfache Anreise oder ein längerer Hotelaufenthalt erforderlich ist, wird der Preisvorteil schnell zu einem großen Teil aufgezehrt.

Geplante Behandlungen im Ausland müssen Patienten zunächst vollständig aus eigener Tasche bezahlen wie Privatpatienten. Erst nach dem Ende der Behandlung bzw. dem Einreichen der Rechnung gibt es das Geld zurück. Achtung: Der maximale Erstattungsbetrag ist auf die Kosten begrenzt, die in Deutschland angefallen wären. Ist die Rechnung in einer fremden Sprache (also weder in Deutsch noch Englisch) verfasst, müssen eventuelle Übersetzungskosten vom Patienten selbst getragen werden.

Fazit: Nicht nur Leistungen im Notfall, sondern auch geplante Behandlungen können im EU-Ausland auf Kosten der Kasse durchgeführt werden. Eine gewissenhafte Abwicklung beginnend mit der Kommunikation mit der Krankenkasse über die Wahl des Arztes bis hin zur Abrechnung ist jedoch dringend anzuraten – sonst kann es teuer werden.

Zahlt die Krankenkasse medizinische Behandlungen im Ausland? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Montag, 04. April 2011 um 10:16 Uhr.