Was sind Reisemängel und welche Rechte haben Urlauber?

Ein rechtlich relevanter Reisemangel liegt vor, wenn das Leistungsniveau der Reise erstens deutlich vom vereinbarten Level abweicht und zweitens der Wert bzw. Nutzen der Reise dadurch in erheblichem Umfang geschmälert wird. Der entsprechende Mangel muss zudem dem Reiseveranstalter zuzurechnen sein. Die Frankfurter Tabelle gibt einen Anhaltspunkt darüber, welche Reisepreisminderung bei welchem Mangel angemessen ist.

 
 

Ein Reisemangel liegt vor, wenn eine vom Veranstalter zugesicherte Leistung nicht erbracht wird. Wurde zum Beispiel ein Hotelzimmer mit direktem Meerblick gebucht und werden Reisende stattdessen in einem Zimmer mit Blick auf den Hinterhof untergebracht, handelt es sich dabei um einen Reisemangel.

Nicht jede Abweichung vom vertraglich vereinbarten Ablauf einer Reise stellt automatisch einen relevanten Mangel dar. Kleinere Unannehmlichkeiten müssen Urlauber hinnehmen, ohne dass sie den Reisepreis mindern können. Die Abgrenzung ist im Einzelfall schwer. Erfahrungswerte gibt die Rechtsprechung an die Hand. Wer am Flughafen erste vier Stunden auf den Flug und dann zwei Stunden auf seinen Koffer wartet, kann nicht auf einen Mangel pochen. Ebenso hinzunehmen ist eine moderate Verschmutzung des Strandes oder eine nicht ausreichende Versorgung mit Handtüchern.

Alltagsrisiken sind auch auf Reisen kein Mangel

Reisende müssen zudem klaglos Schäden hinnehmen, die ihnen auch im normalen Alltag drohen. Dabei müssen ortsübliche Begebenheiten berücksichtigt werden. Wer in der Dusche ausrutscht, kann daraus keinen Mangel ableiten – ein solcher Unfall wäre auch in der Heimat jederzeit möglich gewesen. Auch der Diebstahl von Handtasche oder Kamera ist dieser Linie folgend kein Mangel. In exotischen Ländern müssen weitere Risiken in Kauf genommen: Der Biss eines Tieres ist kein Mangel, wenn er im betreffenden Reiseland zu den alltäglichen Risiken gehört.

Liegt ein tatsächlicher Mangel vor, können Reisende den Preis mindern bzw. eine anteilige Rückzahlung verlangen. Unterlassen sie dies, verfällt auch der Anspruch – der Reiseveranstalter ist nicht verpflichtet, von sich aus eine Entschädigung vorzunehmen. Der Reisepreis kann stets nur für die Dauer des Mangels gemindert werden. Wer nur zwei Tage eines dreiwöchigen Urlaubs in einem Hotelzimmer ohne Meerblick verbringen muss und dann vereinbarungsgemäß untergebracht wird, kann den Mangel auch nur für zwei Tage geltend machen.

Frankfurter Tabelle: Welche Kürzung ist berechtigt?

Die so genannte Frankfurter Tabelle kann Urlaubern einen Überblick über angemessene Reisepreisminderungen geben. Es handelt sich bei den Prozentsätzen um allgemein anerkannte Richtwerte, die im Einzelfall aber keineswegs bindend sind.

Fehlt der vereinbarte Meerblick, sind laut Frankfurter Tabelle 5 bis 10 Prozent Reisepreisminderung je relevanten Tag angemessen. Kann der Swimming Pool nicht benutzt werden, sind 10 bis 20 Prozent angemessen. Dieser Wert gilt auch für einen verschmutzten Strand.

Gibt es abweichend von der Reisebeschreibung kein Restaurant oder Supermarkt, richtet sich die angemessene Preisreduzierung nach der Art der Versorgung: Bei einer vollständigen Verpflegung im Hotel können mitunter gar keine Ansprüche abgeleitet werden. Bei Selbstversorgung sind 10 bis 20 Prozent angemessen.

Die Ansprüche bei einer deutlich verspäteten Ankunft sind gering: Für die ersten vier Stunden Verspätung gibt es keine Ansprüche. Für jede weitere Stunde sieht die Frankfurter Tabelle einen Nachlass von 5 Prozent bezogen auf den Anreisetag vor.

Fazit: Reisemängel müssen erheblich sein, damit sie zu einem Anspruch führen. Wer in seiner Urlaubsfreude durch einen Mangel erheblich beeinträchtigt wird, sollte das Problem dokumentieren und anschließend auf sein Recht pochen. Der Hinweis auf die Frankfurter Tabelle erleichtert im besten Fall eine Einigung mit dem Reiseveranstalter.

Was sind Reisemängel und welche Rechte haben Urlauber? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Dienstag, 29. März 2011 um 20:24 Uhr.