Kann man als Minderjähriger ein Girokonto eröffnen?

Die Eröffnung eines Girokontos ist für Minderjährige grundsätzlich möglich – auch ohne die Einwilligung der Eltern. Der Vertrag zwischen Bank und minderjährigem Kunden ist in diesem Fall rechtlich betrachtet „schwebend unwirksam“. Wirksam wird er erst mit ausreichender Zustimmung der Eltern

 
 

Banken werben um junge Kunden und versprechen sich von ihnen gute Geschäfte in Zukunft. Das Gesetz aber schützt Minderjährige von Nachteilen aus Verträgen. Ein Vertrag mit einer Bank, der jeder Kontoeröffnung zugrundliegt, ist deshalb nur wirksam, wenn beide Erziehungsberechtigten ihm zustimmen. Die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten reicht aus, wenn dieser vom anderen Elternteil zur alleinigen wirksamen Zustimmung bevollmächtigt wurde.

Unter den so genannten „Taschengeldparagraphen“ fallen Bankgeschäfte in der Regel nicht. Hier kommen oft Missverständnisse auf, weil Banken minderjährigen Kunden meistens kostenlose Konten anbieten. Der Taschengeldparagraf regelt, was Minderjährige erwerben können, ohne dass ihre Eltern ausdrücklich zustimmen müssen. Der Taschengeldparagraph bezieht sich aber nur auf alltägliche Geschäfte, zu denen Verträge mit Banken zumindest im Leben eines Jugendlichen nicht gehören.

Vertragsschlüsse sind auch dann ohne Zustimmung der Eltern möglich, wenn  sie dem Minderjährigen ausschließlich rechtliche Vorteile bringen. Auch hier kommt es oft zu Missverständnissen bzw. Fehlinterpretationen: Ein „kostenloses Girokonto mit Karte“ ist keineswegs ein alleiniger Vorteil, weil sich aus dem Vertragsverhältnis auch Verpflichtungen der minderjährigen Person ergeben. Deshalb fällt ein Girokonto nicht unter diese Kategorie.

Dispo für Minderjährige: Nur nach richterlicher Prüfung

Die Einwilligung der Eltern allein reicht nicht für Kreditverträge aus. Ein  Kreditvertrag kann auch im Rahmen eines Girokontos zustande kommen. Ein eingeräumter Überziehungskredit zählt dazu genauso wie die Auszahlung von Geld am Geldautomaten ohne entsprechende Deckung des Kontos. Vor Kreditverträgen schützt das deutsche Recht Minderjährige besonders – sie müssen nicht nur von den Eltern, sondern zusätzlich auch vom Vormundschaftsgericht abgesegnet werden.

Zahlt die Bank trotzdem Geld aus, ist der Vertrag unwirksam.  In diesem Fall muss das Geld zwar zurückbezahlt werden – Zinsen und Gebühren darf die Bank aber nicht verlangen. In Einzelfällen kann die Bank nicht einmal die Rückzahlung verlangen –etwa dann, wenn das Geld bereits nachweislich verbraucht wurde.

Aus diesem Grund können Konten für Minderjährige auch nicht mit Kreditkarten ausgestattet werden, die im Charge-Modus abgerechnet werden. Denn dabei handelt es sich ebenfalls um einen Kredit. Visa oder Mastercard sind aber auch für Jugendliche möglich – dann aber als Prepaid Version.

Fazit: Konten für Minderjährige sind in  der Praxis kein Problem, bedürfen aber der Zustimmung durch die Erziehungsberechtigten. Überweisungen, Barverfügungen und Kartenzahlungen sind problemlos möglich. Dispokredite und Kreditkarten mit Kreditrahmen sind nicht erlaubt.

Kann man als Minderjähriger ein Girokonto eröffnen? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Dienstag, 22. März 2011 um 21:05 Uhr.