Gibt es noch anonyme Konten und Sparbücher?

Konten können ohne Identitätsnachweis nicht mehr eröffnet werden. Das sagenumwobene Schweizer Nummernkonto gibt es ebenso nicht mehr wie die früheren anonymen Sparbücher in Österreich. Finanzämter und andere Behörden in Deutschland können sich zudem bei der Bafin über existierende Konten von Bürgern informieren.

 
 

Schweizer Nummernkonten sind geradezu legendär: In Filmklassikern, bevorzugt in Agenten-Filmen, spielen sie ebenso eine Rolle wie in der medialen Berichterstattung  über Despoten und Potentaten, die ihr Vermögen in der Alpenrepublik bunkerten. Tatsache aber ist: Echte Nummernkonten gibt es bereits seit den 90er Jahren nicht mehr.

Ein „echtes“ Nummernkonto lautet(e) nicht auf den Namen des Kontoinhabers bzw. einer natürlichen oder juristischen Person, sondern lediglich auf einen Zahlencode. Bei der Kontoeröffnung mussten keine Personalien vorgelegt werden. Von wem Geld eingezahlt oder abgehoben wurde und woher Vermögen stammten, wusste dadurch niemand. Für Geldwäscher, Steuerflüchtlinge und andere Vermögende mit zwielichtigem Hintergrund waren diese Konten somit ein willkommenes Instrument.

Heute werden zwar noch immer Nummernkonten angeboten. Der Kontoinhaber muss sich aber bei der Kontoeröffnung identifizieren und ist der Bank damit bekannt. Kommt es dann zum Beispiel zu Anfragen durch ermittelnde Behörden, gibt die Bank die Identität auch preis.

Vergleichbar ist das mit österreichischen Sparbüchern. Bis zum Jahr 2000 konnten diese noch anonym eröffnet werden. Heute erfolgt bei der Eröffnung eine vollständige Legitimation. Sparbücher bis 15.000 Euro können zwar noch heute auf einen Phantasienamen oder ein Codewort (nicht aber auf den Namen einer anderen Person) lauten. Sie können zudem mit einem Losungswort versehen werden, dass auch Dritten den Zugriff ermöglicht, sofern ihnen das Losungswort mitgeteilt wird. Dennoch ist der Besitzer des Sparbuchs bekannt.

Auch in Deutschland werden in letzter Zeit vermehrt Girokonten mit angeblicher Anonymität beworben. Das bezieht sich aber auf die Anonymität gegenüber der Schufa, weil bei diesen Angeboten die sonst übliche Auskunfteimeldung unterbleibt. Finanzämtern oder Sozialbehörden kann das Konto trotzdem bekannt werden, weil es wie jedes andere Konto auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemeldet werden muss.

Auch Bankschließfächer sind nicht anonym. Banken führen ein Verzeichnis über die Schließfächer in ihrem Haus und teilen anfragenden Behörden deren Existenz auch mit. Der Zugriff auf ein Schließfach wird zudem gesperrt, wenn eine Pfändung gegen den Besitzer läuft.

Fazit: Anonymität ist im Bankgeschäft rar geworden. Konten, Sparbücher und Schließfächer sind potenziell jederzeit einsehbar. Ob Behörden oder Gläubiger im Einzelfall über ausreichend leistungsstarke Abfragemöglichkeiten verfügen, ist ungewiss.

Gibt es noch anonyme Konten und Sparbücher? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Montag, 04. April 2011 um 21:29 Uhr.