Wie sicher sind Lebensversicherungen?

Lebensversicherungen gelten als sehr sichere Anlageform, weil die Versicherer das Vermögen ihrer Kunden zum größten Teil in verzinsliche Wertpapiere investieren. Wird ein Versicherer insolvent, greift eine Auffanggesellschaft, die die Ansprüche der Kunden sichert. Die Risiken für Besitzer von Lebensversicherungen sind bislang eher abstrakter Natur: Ein Staatsbankrott würde sie ebenso treffen wie eine Inflation

 
 

Etwa 90 Prozent des Portfolios deutscher Lebensversicherer bestehen aus Anleihen. Der größte Teil davon entfällt wiederum auf Schuldverschreibungen der Bundesrepublik sowie Bankanleihen. Staatsanleihen von Ländern mit angeschlagener Kreditwürdigkeit wie Griechenland sind wenig oder gar nicht vertreten.

Versicherer könnten aber dennoch Verluste erleiden, wenn es zu Umschuldungen von Staaten kommt, denen ihre Verbindlichkeiten über den Kopf gewachsen sind. In diesen Staaten sind Banken mit Krediten engagiert, die dann ausfallen könnten. Das wiederum könnte zum vollständigen oder teilweisen Ausfall von Bankanleihen führen und würde dann auch den Deckungsstock der Lebensversicherer treffen.

Die Garantie, die Versicherer ihren Kunden bieten, würde dann nicht mehr greifen. Wie ein anderes privates Unternehmen auch müsste ein Versicherer seinen Kunden dann mitteilen, dass er seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Die Ansprüche der Kunden müssten dann um einen bestimmten Prozentsatz reduziert werden. Wie groß dieser Prozentsatz wäre, lässt sich nicht vorhersagen. Es ist allerdings ausgesprochen unwahrscheinlich, dass Besitzer von Lebensversicherungen mehr als 30 Prozent ihrer Ansprüche verlieren.

Die Portfolios der Assekuranzen gelten als sicher, weil sie nur sehr geringfügig in Aktien investiert sind. Im Fall einer deutlich und dauerhaft ansteigenden Inflationsrate ist das ein Nachteil. Die Ansprüche der Kunden werden auf dem Papier dann zwar vollständig erfüllt. Die Kaufkraft der Vertragsansprüche ist jedoch durch die Teuerung geringer aus geplant. In diesem Punkt unterscheiden sich Lebensversicherungen nicht von verzinslichen Wertpapieren bzw. einem Portfolio aus diesen.

Während Staatsbankrott und Inflation übergeordnete Risiken sind, kann ein Versicherer durch Missmanagement allein aus eigenem Verschulden heraus insolvent werden. In den kommenden Jahren wächst das Risiko einer Versicherer-Pleite, weil das anhaltend niedrige Zinsniveau den Kapitalmärkten die Ertragsgrundlage der Unternehmen schmälert. Im Fall einer Pleite sind die Ansprüche der Kunden jedoch nicht verloren. Sie werden durch den Auffangfonds Protektor geschützt.

Die Protektor Lebensversicherungs AG ist der Sicherungsfonds der deutschen Lebensversicherer. Im Fall einer Pleite führt der Fonds als Auffanggesellschaft die Verträge der Kunden weiter. Vertragsguthaben bleiben inklusive bereits gewährter Gewinnbeteiligungen ebenso erhalten wie ein eventueller Risikoschutz. Bislang haben die Mittel des Fonds immer ausgereicht, um im Fall einer Pleite die Ansprüche der Kunden zu sichern.

Sollte dies einmal nicht der Fall sein, kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Ansprüche der Kunden um 5 Prozent der vertraglich garantierten Leistungen reduzieren.

Fazit: Lebensversicherungen sind sicher, solange es nicht zu einem größeren Staatsbankrott kommt. Die realen Renditen könnten durch die Inflation aber negativ sein. Ein sicheres Geschäft ist eben noch lange kein gutes.

Wie sicher sind Lebensversicherungen? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Dienstag, 05. April 2011 um 9:31 Uhr.