Schützt Kaffee vor Leberschäden?

In den vergangenen Jahren tauchten verschiedene Studien und Forschungsergebnisse auf, die einen Zusammenhang zwischen dem Risiko bestimmter Lebererkrankungen und dem Konsum von Kaffee nahelegten. Demnach erscheint es möglich, dass Kaffee das Risiko von Leberzirrhose und Leberkrebs senkt und bereits existierende Krankheitsverläufe abmildert.

 
 

Am Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie der Uniklinik Aachen wurde herausgefunden, woher die Schutzwirkung des Kaffees stammt. Forscher wiesen nach, dass das im Kaffee enthaltene Koffein die Konzentration von Cyclo-AMP in der Leberzelle erhöht. Dabei handelt es sich um einen Botenstoff, der  eine hemmende Wirkung auf den Bindegewebswachstumsfaktor CTGF ausübt.

Umbau in funktionsloses Bindegewebe verlangsamt

CTGF ist an der Fibrose, dem Umbau von gesunden Leberzellen in Bindegewebe ohne Funktion, beteiligt. Die Fibrose kann in einer Leberzirrhose münden, die erstens selbst einen tödlichen Verlauf nehmen kann und zweitens ein Risiko für Leberkrebs darstellt.

Auch eine italienische Meta-Studie auf der Grundlage von 11 internationalen Studien kam zu dem Ergebnis, dass Kaffee eine Schutzwirkung auf die Leber haben könnte. Demnach gibt es eine unmittelbare Beziehung zwischen dem Kaffeekonsum und dem Krebsrisiko. Je mehr Kaffee konsumiert wurde, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit eines Tumors. Das Krebsrisiko konnte der Studie zufolge durch den Konsum von Kaffee um bis zu 40 Prozent gesenkt werden.

Kein Freibrief für ungesunden Lebensstil

Einen Beitrag dazu könnte auch Kafestol leisten, das in  ungefiltertem Kaffee enthalten ist. Es erhöht die Gluthation-Konzentration in der Zelle. Gluthation ist ein Protein mit zellschützender Wirkung. Koffein selbst dockt sich an der Oberfläche von Zellen an Rezeptoren an und kann dadurch die schädigende Wirkung von Entzündungszellen abmildern. Eine chronische Leberentzündung ist häufig die Vorstufe zu einer Leberzirrhose.

Mediziner und Forscher warnen jedoch unisono: Bislang ist nicht genau bekannt, wie der Schutzmechanismus wirkt und unter welchen Umständen er greift. Die Erkenntnisse müssen als vorläufige Befunde ohne verlässliche Schlussfolgerungen eingestuft werden. Unter gar keinen Umständen sollten  Kaffee-Konsumenten die Ergebnisse dahingehend interpretieren, dass Kaffee sie widerstandsfähiger mache und deshalb z. B. der vermehrte Genuss von Alkohol als weniger schädlich einzustufen sei.

Fazit: Kaffee könnte tatsächlich in mancherlei Hinsicht gesundheitsfördernd sein. Die Schutzwirkungen und ihre Hintergründe sind aber noch nicht weit und verlässlich genug erforscht. Die bisherigen Erkenntnisse begründen keinerlei Konsequenzen – außer der, dass Kaffee nun umso besser schmeckt!

Schützt Kaffee vor Leberschäden? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Dienstag, 12. April 2011 um 10:19 Uhr.