Wie lange reicht das Erdöl noch?

Wie lange das Erdöl noch reicht, ist ungewiss: Verschiedene Schätzungen kommen zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Seriöse Aussagen sind schwierig. Schätzungen zu den weltweiten Ölreserven müssen stets im Kontext politischer und finanzieller Interessen betrachtet werden. Umgekehrt erscheinen viele frühere Prognosen zum Ende der Vorräte aus heutiger Sicht zu dramatisch.

 
 

Die Ungewissheit wird bereits an den unterschiedlichen Angaben zu den weltweiten Vorräten deutlich. Das Magazin „Science“ veröffentlichte im Jahr 2004 eine Schätzung, der zufolge noch drei Billionen Barrel Öl unter der Erde liegen. Exxon Mobil ging im selben Jahr von 1260 Mrd. Barrel aus, Konkurrent BP schätzte die weltweiten Ölreserven auf 1150 Mrd. Barrel. Ein Barrel entspricht 159 Litern und ist die international gängige Mengeneinheit für Rohöl.

Derzeit benötigt die Weltwirtschaft 87 Millionen Barrel Öl am Tag. Der weltweite Ölverbrauch nimmt tendenziell leicht zu, weil der geringere Verbrauch in Industrienationen mit dem politischen Willen zu einer Reduktion des Ölverbrauchs von stark wachsenden Schwellenländern wie China oder Indien mehr als kompensiert wird. Rechnerisch deckt das nach heutigem Informationsstand vorhandende Erdöl noch für rund 50 Jahre den Verbrauch. Steigt der jährliche Verbrauch stärker an als erwartet, würde sich dieser Zeitraum entsprechend verkürzen. Umgekehrt werden immer wieder neue und zum Teil große Vorkommen entdeckt.

Welche Länder verfügen über die größten Ölreserven?

Die größten nationalen Erdölvorkommen befinden sich in Saudi-Arabien: Der Bestand wird auf 264 Mrd. Barrel geschätzt bzw. ergibt sich aus den Hochrechnungen. Der Iran besitzt 139 Mrd. Barrel und der Irak 115 Mrd. Barrel. Unter der Erde Kuwaits lagern 102 Mrd. Barrel. Die Vereinigten Arabischen Emirate besitzen 98 Mrd. Barrel und Libyen 44 Mrd. Barrel. Mit Venezuela (99 Mrd. Barrel) und Nigeria gehören auch zwei Staaten außerhalb des Nahen Ostens zu den größeren Ölstaaten. Russland besitzt 74 Mrd. Barrel Öl.

In den Industrienationen gibt es hingegen sehr viel weniger Öl. Die USA als größte Volkswirtschaft der Welt ist im Besitz von 28 Mrd. Barrel. Nach heutigem Stand werden die USA bereits in 10 bis 12 Jahren ihre Reserven ausgebeutet haben. Großbritannien verfügt über lediglich 3 Mrd. Barrel, Norwegen besitzt 7 Mrd. Barrel. Die deutschen Ölvorräte sind beinahe bedeutungslos gering.

Wer verbraucht am meisten Öl?

Erdöl ist der weltweit betrachtet größte Energieträger und deckt rund 40 Prozent des Primärenergieverbrauchs. Die USA verbrauchen pro Tag rund 20,5 Millionen Barrel. Danach folgt China, das 7,7 Mio. Barrel Öl pro Tag benötigt. Japan verbraucht pro Tag etwa 5,7 Millionen Barrel und liegt damit deutlich vor Russland (2,9) und Indien (2,8). Deutschland verbraucht pro Tag rund 2,7 Millionen Barrel Öl.

Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen der Wirtschaftsleistung eines Landes und seinem Rohölbedarf. Durch den vermehrten Einsatz alternativer Energiequellen könnte sich dieser Zusammenhang in Zukunft abschwächen. Bislang werden regenerative  Energieträger allerdings vor allem in der Stromerzeugung in größerem Umfang eingesetzt. Beispiele dafür sind Windkraftanlagen und die Solartechnologie.

Für die Deckung des Energiebedarfs im Straßenverkehr (auf den der größte Teil des Ölverbrauchs entfällt) sind diese Quellen bislang nur von untergeordneter Bedeutung. Technologie konnte den Ölverbrauch jedoch auch im (deutschen) Straßenverkehr reduzieren, weil Fahrzeuge mit effizienteren Motoren gebaut wurden.

Wann endet das Öl-Zeitalter?

Letztlich sind seriöse Aussagen über den Zeitpunkt der vollständigen Ausbeutung des Rohöls nicht möglich. Häufig tauchen Angaben in der Größenordnung von 50 Jahren auf. Diese können dahingehend interpretiert werden, dass auf absehbare Zeit noch genügend Öl vorhanden sein wird. Ob die Förderung dann in 50 Jahren tatsächlich zum Erliegen kommt, steht auf einem anderen Blatt.

Das Ende der Ölvorräte ist Gegenstand gesellschaftlicher Diskussionen, seit Erdöl gefördert wird. Im vergangenen Jahrhundert gab es nicht wenige Prognosen, die bereits für das Jahr 2010 das Ende des Öl-Zeitalters prophezeit hatten – und dabei den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Chinas noch nicht einmal auf dem Plan hatten. Die Chancen stehen deshalb nicht schlecht, dass bis zum tatsächlichen Ende der Vorräte Konzepte zur Deckung des Energiebedarfs durch alternative Energieträger umgesetzt worden sind.

Der Rohölpreis kann als Indikator für das Ausmaß der Ölknappheit interpretiert werden. Ein Barrel Öl kostete im Jahr 2008 zeitweise mehr als 150 Dollar und damit so viel wie nie zuvor. Der Rohölpreis wird allerdings nicht nur durch reale Nachfrage, sondern auch durch Finanzspekulationen beeinflusst.

Fazit: Wann das Öl ausgeht, ist ungewiss – ein Zeitraum von 50 Jahren ist denkbar, aber spekulativ. Tatsache ist, dass der Großteil der Reserven auf Staaten mit mehr oder weniger instabilen politischen Verhältnissen entfällt.

Wie lange reicht das Erdöl noch? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Donnerstag, 21. April 2011 um 14:31 Uhr.