Warum wird Gold immer teurer?

Gold wird teurer und teurer  - im April 2011 kostete eine Feinunze fast 1500 Dollar. Seit fast 10 Jahren dauert der Aufwärtstrend nun beinahe ungebremst an. Die Gründe sind vielfältig und lassen sich nicht auf einen einfachen Trend reduzieren. Warum Gold so teuer ist und was Sparer und Anleger dazu wissen müssen.

 
 

Zur Jahrtausendwende kostete eine Feinunze Gold weniger als 300 Dollar. Der Preis hat sich binnen kaum mehr als 10 Jahren verfünffacht. Dabei bringt Gold keine Zinsen. Dass es so attraktiv ist, liegt an seiner Eigenschaft als Krisenmetall. Gold wird seit tausenden von Jahren als Zahlungsmittel benutzt und genießt seit der Antike große Wertschätzung in allen Kulturen. Das verleiht dem Metall eine übergeordnete Sicherheit: Es wäre selbst dann noch viel wert, wenn sich die Welt radikal verändern und in einer tiefgreifenden Krise versinken würde.

Gemeint sind damit nicht kurzfristige Konjunkturschwankungen, eine erhöhte Arbeitslosigkeit oder ein Crash am Aktienmarkt. Gold wird zugetraut, auch nach einem Atomkrieg, einem vollständigen Fall des weltweiten Finanz- und Machtsystems und in der Neuzeit nie da gewesenen Naturkatastrophen seinen Wert zu behalten. Solange es Menschen gibt, wird der Besitz von Gold ihnen Wohlstand garantieren.

Misstrauen in das Papiergeld wächst

Diese Eigenschaft besitzt Papiergeld in den Augen von immer mehr Sparern auf der ganzen Welt nicht. Besonders in Deutschland ist die Angst vor einer Geldentwertung groß. Die Inflation der 20er Jahre wirkt bis heute wie ein Trauma nach und macht die Menschen wachsam für Entwicklungen, die den Wert des Papiergeldes bedrohen könnten.

In den vergangenen 20 Jahren gab es mehrere Ereignisse und Entwicklungen, die die Zweifel am Papiergeld genährt haben. Dabei sind praktisch alle großen Währungen betroffen. Zu den wichtigsten Gründen zählt die global ausgeuferte Staatsverschuldung. Nicht nur Griechenland und Portugal haben viele Schulden, sondern auch Deutschland, die USA, Japan und Großbritannien.

Wenn Staaten zu viele Schulden haben, neigen sie historisch betrachtet Maßnahmen, die den Geldwert destabilisieren. Eine Möglichkeit dazu ist das Herbeiführen einer Inflation wie in den 190er Jahren in Deutschland. Damals druckte die Notenbank haufenweise Geld und entwertete es dadurch. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch heute wieder beobachten.

Auf Immobilien und Aktien kann der Staat zugreifen

Die US-Notenbank kauft Anleihen des Staates und von Immobilienfinanzierern auf, weil sich die vielen Kredite über den freien Markt nicht mehr beschaffen lassen. Auch die Europäische Zentralbank hat im Zuge der Finanzkrise erstmals dieses Tabu gebrochen und Staatsanleihen mit geschöpftem Geld aufgekauft. Das zeigt: Die Angst vor einer Inflationierung der Staatsschulden ist keine Hysterie, sondern eine begründete Sorge.

Gold lässt sich anders als Papiergeld nicht beliebig vermehren. Der physische Besitz verleiht dem Besitzer zudem Unabhängigkeit von staatlichen Zwangs- und Kontrollmaßnahmen, die Immobilien und Aktien (die sonst ebenfalls als Mittel gegen Inflation gelten) nicht besitzen. Ein bankrotter Staat könnte z. B. versucht sein, Immobilienbesitzern Opfer abzuverlangen und sich durch eine Beleihung ihrer Objekte Geld zu verschaffe. Im Deutschland de Nachkriegszeit gab es 1948 einen solchen Fall.

Auch die Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2010 hat das Vertrauen in das weltweite Finanzsystem erschüttert. Strauchelnde Großbanken, Rettungsmaßnahmen in unvorstellbaren Größenordnungen und ein beispielloser Crash an den Aktienmärkten sorgten für neue und bis heute nicht annähernd ausgeräumte Zweifel. Auf die Finanzkrise folgte die europäische Schuldenkrise, in der Mitglieder der Euro-Währungsunion zahlungsunfähig wurden.

Der Markt sucht eine Ersatzwährung

Die Hausse am Geldmarkt wird deshalb häufig als Suche nach einer Ersatzwährung interpretiert. Anleger versuchen ihr Vermögen vor Inflation, Währungsreform und Enteignung zu schützen. Angebote zum Kauf von Edelmetallen gibt es genug. Viele davon sind aber mit produktspezifischen Risiken behaftet, die das Wesen eines Investments in Gold unterlaufen.

Banken werben gerne mit Gold-ETCs. Das sind Schuldverschreibungen, die den Goldpreis eins zu eins nachbilden. Der Haken: Anleger haben häufig gar keinen wirklichen Anspruch auf die Lieferung von Gold. Die Produkte sind zwar vorrangig besichert.

Im Fall der Emittenten-Insolvenz werden aber verzinsliche Wertpapiere und kein Gold geliefert. Als Krisenwährung taugen solche Produkte nichts. Selbst eine Besicherung mit physischem Gold bietet nicht zwingend Sicherheit. Allzu oft können bei einer Insolvenz auch andere Gläubiger auf das Gold zugreifen.

Viele Banken werben mit Gold in physischer Lagerung. Für jeden erworbenen Barren wird dann  eine entsprechende Menge in den Tresorräumen vorgehalten. Selbst das aber ist nicht sicher: Banken sind auch Profitgründen dazu übergegangen, dass Gold in ihren Kellern mehrfach zu verkaufen. Sie legen in ihren Geschäftsbedingungen fest, dass anstelle von Gold auch ein Barausgleich in Betracht kommt.

Fehlerhafte Anlageprodukte: Selbst im Banktresor ist Gold nicht sicher

Fünf Kilo Gold werden dann z. B. an fünf verschiedene Anleger verkauft, die sich alle des physischen Besitzes sicher sind. Beantragen zu viele Besitzer gleichzeitig die Auslieferung, kommt es zu Engpässen. Bei einer Insolvenz der Bank bleibt dann nur ein wertloser Anspruch. Auch hier gilt: Unter normalen Umständen erleiden Anleger keinen Schaden. Gold wird aber nicht für normale, sondern für extreme Ereignisse gekauft.

Als sicher gilt unter Experten nur die Einzelverwahrung, die auch als Streifbandverwahrung bezeichnet wird. Sie ist deutlich teurer und wird häufig nur auf Anfrage angeboten. Gold in Einzelverwahrung wird durch eine Banderole markiert oder anhand von Seriennummern einem bestimmten Anleger zugeordnet. Es gehört dann nicht zum Vermögen der Bank und kann im Insolvenzfall nicht von Gläubigern beansprucht werden.

Gold ist ein Spiegelbild der Zukunftserwartungen

Der Goldpreis ist ein Indikator für die Zukunftserwartungen der Menschen. Jedenfalls lässt er sich so interpretieren. In Zeiten mit optimistischer Grundhaltung hinsichtlich der Zukunft ist Gold billig. Dann steht im Vordergrund, dass es keinen Zins und keine Dividende abwirft. In unsicheren Zeiten ändert sich das: Wichtiger als Zinserträge ist dann die Eigenschaft als Krisenvorsorge.

Ausdrücklich sei jedoch erwähnt, dass nicht nur Krisen-Szenarien und Existenzängste ursächlich für den hohen Goldpreis sind. Auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Zum einen hat sich die Aktivität der Notenbanken geändert, die noch immer den größten Teil der Bestände horten. Lange Zeit verkauften die Zentralbanken Gold und erlösten damit Geld. Die Funktion als Währungsreserve stand über viele Jahre im Hintergrund.

Das hat sich geändert: Die großen Zentralbanken sind von Verkäufern zu Käufern geworden. Ob sich daraus ableiten lässt, dass selbst die Notenbanken ihrem eigenen Papiergeld nicht mehr trauen, sei dahingestellt. In jedem Fall tragen die Käufe zum steigenden Preis bei. Das gilt auch für die wachsende Nachfrage aus einst armen Ländern wie China und Indien. Ein weiterer wichtiger Grund ist sicherlich die Natur der Märkte: Hat sich ein Trend einmal etabliert, kann die Hausse sich lange Zeit selbst nähren.

Fazit: Die Angst vor Inflation und Krisen ist einer der Hauptgründe für den immer weiter steigenden Goldpreis. Eine veränderte Goldpolitik der Zentralbanken und mehr Nachfrage aus den Schwellenländern tragen ebenso zum Preisanstieg bei wie die Hausse selbst.

Warum wird Gold immer teurer? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Sonntag, 24. April 2011 um 8:14 Uhr.