Was kostet ein Kubikmeter Wasser in Deutschland?

Der Preis für einen Kubikmeter Wasser variiert innerhalb Deutschlands erheblich. In den Neuen Bundesländern und NRW ist Trinkwasser teurer als im Norden und im Süden der Republik. Die großen Unterschiede resultieren zum Teil aus hohen Investitionen der Versorger, zum Teil aber auch aus einem Missbrauch der Monopolstellung

 
 

Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft kostete ein Kubikmeter Trinkwasser in Deutschland im Jahr 2008 durchschnittlich 1,86 Euro. Die Preise variieren regional allerdings deutlich. Im Jahr 2005 kostete ein  Kubikmeter Wasser in Sachsen durchschnittlich 2,34, in Schleswig-Holstein hingegen nur 1,31 Euro. In den Neuen Bundesländern ist Wasser tendenziell teurer als im Bundesdurchschnitt, weil die Versorger nach der Wende hohe Investitionen getätigt haben, die bis heute vom Verbraucher bezahlt werden müssen.

Trinkwasserpreise in deutschen Städten

Die Wasserpreise variieren nicht nur regional, sondern auch von Stadt zu Stadt. Wasserversorger verfügen über eine Monopolstellung und nutzen diese nicht selten zulasten der Kunden aus. Im Durchschnitt musste ein Vierpersonenhaushalt im Jahr 2008 knapp 790 Euro für Trinkwasser zahlen.

In Karlsruhe lagen die Kosten mit gut 225 Euro bei weniger als einem Drittel davon. Auch in Augsburg, Freiburg, Erlangen und Heidelberg zahlte ein Vierpersonenhaushalt mit unter 300 Euro im Jahr deutlich weniger als Hälfte des Bundesdurchschnitts.

Die Trinkwasserpreise entsprechen nicht den Gesamtkosten für Wasser. Zusätzlich zu  eigentlichen Wasserpreis müssen Haushalte für Abwasser zahlen. Die Kosten pro Kubikmeter liegen nicht weit von den eigentlichen Kosten entfernt. Die Stadtwerke München zum Beispiel berechnen für einen Kubikmeter Wasser inklusive Mehrwertsteuer 1,88 Euro. Die von der Mehrwertsteuer befreite Gebühr für Abwasser beträgt 1,56 Euro pro Kubikmeter.

Der Wasserverbrauch ist rückläufig

Der Wasserverbrauch in deutschen Haushalten ist seit Jahrzehnten rückläufig. 1991 verbrauchte eine Person in Deutschland statistisch noch 144 Liter Wasser am Tag. 2007 waren es noch 122 Liter. Neben einem gestiegenen Bewusstsein für den schonenden Umgang mit Ressourcen haben auch eine verbesserte Effizienz von Wasch- und Spülmaschinen sowie die Verbreitung von Stop-Tasten an Toilettenspülkästen zu der Entwicklung beigetragen.

Wassersparen als Selbstzweck drängt sich für Deutschland nicht auf. Nur ein Fünftel der laufend verfügbaren Wassermenge wird tatsächlich benötigt. Selbst bei einer deutlich spürbaren Veränderung des Klimas und deinem drastischen Rückgang der jährlichen  Niederschlagsmenge ist nicht mit Engpässen zu rechnen. Ein deutlicher Rückgang des Wasserverbrauchs könnte sogar schädliche Auswirkungen haben, weil etwa die Fließgeschwindigkeit in den Netzen zu sehr abnimmt.

Insgesamt sind die Wasserkosten in Deutschland niedrig. In Zukunft könnten sie in vielen Städten sogar sinken. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2010 erlaubt deutschen Kartellbehörden strengere Preiskontrollen und die Durchsetzung niedrigerer Wasserpreise. Stark abweichende Preise müssen von den Versorgern künftig stichhaltig begründet werden.

Fazit: Der Kubikmeterpreis für Wasser variiert lokal und regional erheblich, so dass die Durchschnittsangabe von 1,86 Euro wenig aussagt. Zusätzlich zum eigentlichen Wasserpreis müssen die Kosten für Abwasser berücksichtigt werden. Tendenziell ist für die kommenden Jahre aufgrund der erweiterten Befugnisse der Kartellbehörden eher mit sinkenden als mit steigenden Wasserpreisen zu rechnen.

Weitere Informationen unter:
http://www.morgenpost.de/berlin/article864534/Wasserpreise_in_100_deutschen_Staedten.html

Was kostet ein Kubikmeter Wasser in Deutschland? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Mittwoch, 25. Mai 2011 um 20:16 Uhr.