Was passiert wenn meine Krankenkasse insolvent ist?

Wird eine gesetzliche Krankenkasse geschlossen, ist das für Versicherte kein Beinbruch. Sie haben Anspruch auf die Aufnahme in eine andere Krankenkasse. Auch wenn sie alt und krank sind. Bestimmte Versichertengruppen müssen geltende Fristen allerdings unbedingt einhalten, damit der Versicherungsschutz nicht erlischt. Bei privaten Zusatzpolicen drohen zudem Einbußen.

 
 

In Deutschland existiert eine allgemeine Pflicht zum Besitz einer Krankenversicherung. Wird eine gesetzliche Krankenkasse vom Bundesversicherungsamt geschlossen wie jüngst im Fall der City BKK geschehen, müssen sich Versicherte einen neuen Anbieter suchen.

Angestellte können genauso wie Arbeitslose und Rentner wählen, zu welcher Kasse sie wechseln. Jede Gesetzliche Krankenkasse in Deutschland ist verpflichtet, Versicherte einer geschlossenen Kasse aufzunehmen.

Abwimmel-Versuche sind gesetzeswidrig

Nach dem Bekanntwerden der Schließung der City BKK verhielten sich einige Kassen gesetzeswidrig und versuchten, Versicherte abzulehnen. Davon sollten sich Betroffene nicht beirren lassen und notfalls vehement auf ihr Recht bestehen und den Gang vor Gericht androhen. Das Recht zum Wechsel in eine andere Kasse besteht bis zwei Wochen nach der offiziellen Schließung der insolventen Kasse.

Auch wer die Frist verstreichen lässt, muss sich um seinen Versicherungsschutz nicht sorgen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Angestellten in diesem Fall umzumelden. Er wird die Anmeldung bei der Kasse vornehmen, bei der Versicherte vor dem Eintritt in die insolvente Kasse Mitglied waren. Ist das nicht möglich (zum Beispiel weil vorher keine Kasse bestand), erfolgt die Anmeldung bei einer beliebigen anderen Kasse.

Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass das Verstreichen der Frist  zur Anmeldung in einer Kasse mit Zusatzbeiträgen führt. Auch Rentner und Arbeitslose bleiben versichert. Für sie ist der Rentenversicherungsträger bzw. die Bundesagentur für Arbeit zuständig. In jedem Fall bleibt auch die kostenlose Mitversicherung von Familienangehörigen erhalten.

Pensionäre und Gutverdiener können Versicherungsschutz verlieren

Existenziell wichtig ist die Frist zum Wechsel für Pensionäre und Angestellte mit einem Einkommen über der Grenze zur Versicherungspflicht (49.500 Euro im Jahr). Für sie gilt eine Frist von drei Monaten beginnend mit der offiziellen Schließung. Wird sie versäumt, entfällt der gesetzliche Versicherungsschutz, weil keine Pflichtmitgliedschaft bestand.

Zwar besteht dann grundsätzlich die Möglichkeit, eine private Krankenversicherung abzuschließen. Die Beiträge in der PKV richten sich jedoch nach Alter und Gesundheitszustand. Vor allem ältere Kunden müssen mit sehr hohen Prämien rechnen. Verpflichtet zur Aufnahme ist auch die PKV. Sie muss Alten und Kranken jedoch nur den Basistarif anbieten, dessen Leistungsumgang dem einer gesetzlichen Kasse entspricht.

Selbständige, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, müssen sich ebenfalls bis spätestens drei Monate nach der offiziellen Schließung ihrer Kasse bei einem anderen Anbieter einfinden. Anders als bei Pensionären und gutverdienenden Angestellten erlischt ihr Versicherungsschutz bei Fristversäumnis aber nicht. Die insolvente Kasse wird ggf. zum Wechsel auffordern.

Bei Arztbesuchen und laufenden Behandlungen ändert sich für Mitglieder einer insolventen GKV gar nichts. Zugesagte Behandlungen müssen übernommen werden. Mediziner erhalten ihr Geld unabhängig von der Pleite der Kasse über ein Umlageverfahren. Sie haben deshalb keinen Grund Versicherte abzulehnen und  tun dies auch nicht.

Unter Umständen kann die Insolvenz einer Kasse zur Kündigung von privaten Zusatzpolicen führen. Dieses Risiko besteht insbesondere, wenn der Vertrag über die GKV abgeschlossen wurde, was im Rahmen verschiedener Kooperationen häufiger der Fall ist. Mit der Schließung der Kasse kann die Vertragsgrundlage erlöschen.

Fazit: Die Insolvenz einer gesetzlichen Kasse ist kein Grund zur Panik. Lediglich Pensionäre und gesetzlich Versicherte mit einem Bruttoverdienst über der Versicherungspflichtgrenze können großen Schaden erleiden, wenn sie die Fristen versäumen. Ansonsten beschränkt sich das Risiko auf etwaige Zusatzbeiträge und den Verlust einer privaten Zusatzversicherung.

Was passiert wenn meine Krankenkasse insolvent ist? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Montag, 30. Mai 2011 um 11:13 Uhr.