Ist ein Umtausch auch ohne Kassenbon möglich?

Verbraucher genießen in Deutschland viele Rechte, wissen das oft aber gar nicht. Über die Ansprüche gegen Verkäufer kursieren viele Irrtümer, die bares Geld kosten können. Die wichtigsten Verbraucher-Irrtümer und ihre Richtigstellung im Überblick.

 
 

Umtausch nur mit Kassenbon:

Es hält sich das Gerücht, dass ein Umtausch nur mit Vorlage des Kaufbelegs möglich sei. Dem ist aber nicht so: Verbraucher können immer umtauschen, wenn sie beweisen können, wo und wann sie etwas gekauft haben. Ein Kontoauszug oder eine Kreditkartenabrechnung reichen dazu vollkommen aus. Bei der Vorlage können andere sichtbare Posten geschwärzt werden.

Unnötig ist auch das Aufbewahren der Originalverpackung. Die wird nur benötigt, wenn ein einwandfreies Gerät zurückgebracht wird. Ist die Ware defekt bzw. weist sie einen Mangel auf, kann sie in jeder geeigneten  Verpackung zum Verkäufer transportiert werden.

Bei defekter oder mangelhafter Ware haben Verbraucher ein Umtauschrecht. Von diesem sollte in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf Gebrauch gemacht werden. Nur in diesem Zeitraum nämlich liegt die Beweislast beim Verkäufer. Wollte der den Umtausch ablehnen, müsste er nachweisen, dass die Ware zum Zeitpunkt des Kaufs einwandfrei war. Das ist in der Praxis kaum möglich, weil Mängel oft erst später sichtbar werden. Sechs Monate nach dem Kauf kehrt sich die Beweislast allerdings um. Dann müssen Verbraucher nachweisen, dass der Defekt bereits von Beginn an bestand.

Viele Händler bieten erweiterte Garantien an und nehmen defekte Ware auch 12 oder 24 Monate nach dem Kauf anstandslos zurück.  Solche Versprechen sind aber nicht gesetzlich, sondern vertraglich gedeckt. Wichtig ist deshalb, was in der Garantie vermerkt ist. Oft gilt sie nur für bestimmte Teile der Ware. Garantieerweiterungen können häufig auch gegen Aufpreis erworben werden. Von solchen Zusatzversicherungen raten Verbraucherschützer allerdings ab, da sie erstens sehr teuer sind und zweitens oft nur den (geringen) Zeitwert ersetzen.

Wird ein defektes Gerät reklamiert, muss der Händler entweder für Ersatz sorgen oder nachbessern. Verbraucher können grundsätzlich selbst entscheiden, ob sie neue Ware möchten oder eine Reparatur verlangen. Das Wahlrecht hat aber seine Grenzen. Stünde der Reparaturaufwand in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zu einer Neuanschaffung, kann der Händler einen Austausch vornehmen.

Umgekehrt kann eine Reparatur nicht verlangt werden, wenn sich die Ware mit sehr geringem Aufwand in einen einwandfreien Zustand versetzen ließe. Verbraucher müssen bei defekter Ware bis zu zwei Nachbesserungsversuche des Händlers in Kauf nehmen. Erst danach besteht die Möglichkeit, den Kaufvertrag rückgängig zu machen oder Ansprüche auf eine teilweise Rückerstattung anzumelden.

Viele Verbraucher fürchten sich vor Kosten im Fall einer grundlosen Reklamation. Solche Forderungen darf der Verkäufer aber nicht stellen, wenn der Kunde davon ausgehen konnte, dass ein Mangel vorlag. Dabei muss das Urteilsvermögen eines Laien zugrundegelegt werden.

Die Verbraucherrechte gelten explizit auch bei Waren, due heruntergesetzt waren. Das ist mittlerweile zwingend erforderlich, weil es in manchen Geschäften fast nur noch (angeblich) reduzierte Ware zu kaufen gibt. Der Händler kann zwar bei reduzierten Waren seine Kulanz einschränken. Seinen gesetzlichen Verpflichtungen muss er aber uneingeschränkt nachkommen.

Fazit: Kassenbon und Originalverpackung sind zum Umtausch nicht erforderlich, auch wenn anders behauptet wird. Erweiterte Garantien sind gut, solange sie nicht mit einer Versicherung erkauft werden müssen. Vor allem in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf haben Verbraucher ein uneingeschränktes Recht auf fehlerfreie Ware.

Ist ein Umtausch auch ohne Kassenbon möglich? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Samstag, 13. August 2011 um 19:35 Uhr.