Was bringen Investmentfonds mit erfolgsabhängiger Vergütung?

Der deutsche Fondsmarkt ist im Wandel – leider nicht nur zugunsten der Anleger. Immer mehr Fonds kassieren zusätzlich zur Managementgebühr eine erfolgsabhängige Vergütung. Dabei legen die Fonds recht willkürlich fest, was unter Erfolg zu verstehen ist. In ungünstigen Konstellationen kann die Gebühr sogar dazu führen, dass unnötige Risiken in Kauf genommen werden.

 
 

Erfolgsabhängige Gebühren werden bei immer mehr aktiv verwalteten Investmentfonds fällig. Das Fondsmanagement lässt sich dafür bezahlen, wenn die Performance des Fonds die einer selbstgesteckten Benchmark übersteigt. Zusammen mit den regulären Verwaltungsgebühren zahlen Anleger nicht selten 3 bis 4 Prozent im Jahr und damit deutlich zu viel.

Ein Problem bei erfolgsabhängigen Gebühren betrifft die Benchmark. Wählt der Fonds einen Referenzwert, der sich weniger volatil verhält als das eigene Portfolio, kommt es in guten Jahren zu einer Outperformance. Dann kassiert der Fonds zusätzlich ab. In schlechten Jahren fährt der Fonds jedoch auch größere Verluste ein.

Dann erhalten Anleger kein Geld zurück. Fondsbesitzer zahlen in dieser Konstellation dafür Gebühren, dass sie ein höheres Risiko tragen. Die Vergütung dafür sollte (in Gestalt hoher Renditen in guten Jahren) jedoch ausschließlich beim Anleger und nicht beim Fondsmanagement ankommen. Die Erfolgsmessung in Intervallen benachteiligt Anleger automatisch. Einige Fonds verrechnen Gebühren zunächst mit Verlusten. Das ist etwas besser, aber immer noch nicht gut.

Erfolgsvergütung auch bei schwacher Entwicklung

Besonders groß sind die Nachteile bei sehr kurzen Abrechnungsintervallen. Wird die Erfolgsbasis monatlich ermittelt, kassieren die Fonds schon allein aufgrund der stets üblichen Schwankungen der Märkte kräftig mit. Erfolgsabhängige Vergütungen ohne Verlustbeteiligung mit kurzen Intervallen sind deshalb geradezu absurd. Das Fondsmanagement könnte sich animiert fühlen, mit Blick auf das Vergütungsmodell hohe Risiken einzugehen und so den Gewinn optisch aufzubessern.

Da Fonds die Bezugsgröße für die erfolgsabhängige Vergütung frei bestimmen können, bestimmen sie auch die Definition von Erfolg. Es ist deshalb nicht unüblich, dass Extra-Provisionen auch dann anfallen, wenn ein Fonds eine unterdurchschnittliche Leistung abliefert. Durch die Kopplung an eine relative Wertentwicklung fallen auch in Verlustjahren Gebühren an, solange der Vergleichsindex noch schlechter war!

Die Basis der Erfolgsvergütung ist allzu oft nicht der Anlageerfolg der Anleger: Anstelle des Nettoertrags wird der Bruttoertrag vor Abzug der Verwaltungskosten zugrundegelegt. Das Fondsmanagement kassiert also Provisionen auf seine eigene Vergütung!

Derzeit existiert kein Hinweis darauf, dass Fonds mit erfolgsabhängiger Managementvergütung eine bessere Wertentwicklung bieten als andere. Das ist auch in Zukunft nicht zu erwarten. Fondsgesellschaften sollten sich fragen lassen, warum aktiv verwaltete Fonds nicht auch ohne Extra-

Indexfonds sind günstiger und ehrlicher

Provision ausschließlich im Sinne des Kunden handeln. Dabei sei angemerkt, dass Fonds mit Erfolgskomponente auch von vielen der großen und renommierten Gesellschaften angeboten werden. Banker und Berater verkaufen die Fonds gerne mit dem Argument des Leistungsanreizes. Das kann getrost als Werbe-Lüge abgestempelt werden, weil sich dieser Zusammenhang nicht belegen lässt.

Es steht zu vermuten dass die Finanzindustrie die zusätzliche Gebühr vor allem von unerfahrenen oder schlecht informierten Anlegern einzutreiben gedenkt. Sie will sich damit möglicherweise selbst für den Umsatzverlust entschädigen, den sie durch den Erfolg von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) erlitten hat. ETFs versuchen nicht, ihre Basis zu schlagen, sondern bilden sie nur eins zu eins nach. Sie können wie eine Aktie fortlaufend und ohne Ausgabeaufschlag an der Börse gehandelt werden. Die Managementgebühr liegt in der Regel deutlich unter 1,0 Prozent im Jahr.

Fazit: Investmentfonds mit erfolgsabhängiger Vergütung sind in aller Regel zum Nachteil der Anleger gestaltet. Das liegt vor allem daran dass die Erfolgskomponente zusätzlich zu den anderen Gebühren anfällt und dass das Management nicht an Verlusten beteiligt wird. Hinweise auf eine bessere Wertentwicklung gibt es nicht. Anleger sollten auf die Zusatzgebühren achten  und die entsprechenden Fonds besonders kritisch unter die Lupe nehmen.

Was bringen Investmentfonds mit erfolgsabhängiger Vergütung? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Donnerstag, 23. Juni 2011 um 19:43 Uhr.