Kann man mit einer Prepaid-Karte Schulden machen?

Mit der Prepaid-SIM direkt in die Schuldenfalle: Die Beschwerden über horrende Rechnungen in Prepaid-Tarifen häufen sich. Der Teufel steckt im Detail und ist wieder einmal ganz legal. Das Problem besteht in einer nachgelagerten Abrechnung und lässt sich in den AGBs sowie dem Informationsbedürfnis des Anbieters entdecken.

 
 

Hellhörig sollten Verbraucher bereits werden, wenn der angebliche Prepaid-Tarif nur mit einer Schufa-Auskunft erhältlich ist und der Anbieter zudem noch den Nachweis eines Bankkontos und Wohnsitzes verlangt. Bei Prepaid im klassischen Sinne wäre all dies nicht erforderlich. Für die Zahlungsfähigkeit interessiert sich nur, wer beabsichtigt in Vorleistung zu gehen.

Bei vielen Anbietern werden Kosten für Telefonieren und Surfen mit dem Handy nicht sofort, sondern erst mit zum Teil beträchtlicher Verzögerung abgebucht. Wenn das Guthaben eigentlich schon aufgebraucht ist, wird dann oft unbemerkt ein Negativsaldo aufgebaut.

Der „Klassiker“: Eine Datenflatrate fürs Smartphone ermöglicht unbegrenztes Surfen im Internet. Der Haken: Die Flatrate gilt nur in Deutschland. Wer ins Ausland fährt und das vergisst kann eine böse Überraschung erleben, wenn 10 bis 20 Cent pro Minute im Internet anfallen. Viele Smartphones laden verbinden sich von selbst mit dem Internet, wenn diese Funktion nicht deaktiviert wird.

Auch der Anruf bei 0900-Nummern kann mit Prepaid-Karten im Postpaid-Abrechnungsmodus zu einer bösen Überraschung führen. Rutscht das Konto ins Minus, verlangen die Anbieter meistens einen sehr schnellen Ausgleich. Wird der Fehlbetrag vom Girokonto abgebucht und ist dieses nicht ausreichend gedeckt, fallen schnell Mahn- und Rücklastschriftsgebühren von 20 bis 40 Euro an. Verbraucher müssen die bittere Pille meist schlucken, weil sie in den AGBs verankert ist.

Woran Quasi-Prepaid zu erkennen ist

„Unechte“ Prepaid-Tarife sind meist an den Vertragsbedingungen und den Auflademethoden zu erkennen. Die Anbieter verlangen zum Beispiel eine Zustimmung zur Schufa-Klausel, was bei echten Vorkasse-Tarifen nicht der Fall ist. Während bei letzteren einfach nur ein Starter-Paket erworben wird, müssen bei Quasi-Prepaid-Tarifen richtige Verträge abgeschlossen werden. Die Mindestvertragslaufzeit beträgt zwar oft nur einen Monat – vor Nachforderungen durch eine Überziehung des Kartenkontos schützt das aber nicht.

Für eine echte Prepaid-Karte ist in der Regel nur ein Personalausweis erforderlich. Quasi Prepaid setzt zusätzlich ein deutsches Bankkonto und einen Wohnsitz in Deutschland voraus. Das liegt u. a. daran, dass das Nutzerkonto nicht per Rubbelcode, sondern per Überweisung aufgeladen wird. Wer sich nur kurzzeitig in Deutschland aufhält kann Quasi Prepaid deshalb gar nicht nutzen.

Wird dann noch die Funktion „automatisches Aufladen“ aktiviert, ist der Unterschied zu einem klassischen Handyvertrag noch kleiner. Beim automatischen Aufladen wird ein Kontostand vorgegeben, bei dessen Erreichen es automatisch zu einer Aufladung des Kontos per Lastschrift kommt. Vor Nachforderungen schützt auch das natürlich nicht.

Wie hoch können die Nachforderungen sein?

Wie hoch die Nachforderungen ausfallen können, hängt vom Einzelfall ab. In den Medien gab es Berichte über Verbraucher, die plötzlich Rechnungen über mehrere tausend Euro erhielten. Die Höhe der Nachforderungen hängt vom Preis der genutzten Dienste und dem Abrechnungsintervall ab. Die Kontosperre, die sonst bei einem Sollbetrag von X Euro die Karte für ausgehende Gespräche und Nachrichten deaktiviert greift nicht.

Durch die per Gesetz gesenkten Preisobergrenzen für Roaming Verbindungen wurde die Problematik etwas entschärft. Das gilt für ein- und ausgehende Gespräche genauso wie für das mobile Internet. Bei der Nutzung des Internets im Ausland gilt zudem eine Kostenobergrenze, die Kunden individuell festlegen können. Wird die Grenze erreicht muss der Nutzer vom Betreiber informiert werden und der weiteren Nutzung des Internets explizit zustimmen. Standardmäßig liegt die Kostengrenze bei knapp 60 Euro.

Kann man mit einer Prepaid-Karte Schulden machen? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Montag, 27. Juni 2011 um 19:53 Uhr.