Wie hoch ist das Schonvermögen bei ALG II?

ALG II wird nur an Bedürftige ausbezahlt. Dennoch dürfen Betroffene Vermögenswerte in überschaubarem Umfang behalten, wenn sie Hilfe zum Lebensunterhalt beantragen. Darüber hinaus sind Eigenheim, Auto und bestimmte Altersvorsorge-Produkte dem Zugriff des Amtes entzogen.

 
 

Es gibt verschiedene Arten von Schonvermögen. Unter den Vermögensfreibetrag fallen z. B. Bankguthaben auf dem Girokonto, einem Sparbuch oder Tagesgeldkonto. Jedem Bürger steht ein Freibetrag von 150 Euro für jedes vollendete  Lebensjahr zu. Darüber hinaus darf eine Rücklage in Höhe von 750 Euro behalten werden, die für Reparaturen dienen soll. Der Freibetrag muss ohne die Rücklage für Anschaffungen mindestens 3.100 Euro betragen. Gedeckelt ist er bei 9750 Euro.

Ältere dürfen mehr besitzen

ALG II Empfänger der Jahrgänge vor 1948 profitieren von einem höheren Schonvermögen. Für jedes vollendete Lebensjahr stehen ihnen 520 Euro zu. Maximal dürfen sie 33.800 Euro freies Vermögen besitzen, ohne dass es mit den Ansprüchen auf ALG II verrechnet wird.

Was über das Schonvermögen hinausgeht, muss zum Lebensunterhalt eingesetzt werden. Das gilt nicht nur für Bargeld und Bankguthaben. Bestehende Vermögenswerte müssen veräußert werden, bevor der Staat zahlt. Auch hier gibt es aber Ausnahmen.

Ein Auto etwa muss nicht verkauft werden, wenn im Haushalt auf jede erwerbsfähige Person nicht mehr als ein Fahrzeug kommt. Voraussetzung ist, dass der Zeitwert des PKW nicht über 7.500 Euro liegt. Diese Grenze hat das Bundessozialgericht festgelegt.

Auch Wohneigentum darf nicht verwertet werden, wenn es vom Bedürftigen selbst genutzt wird. Eine Eigentumswohnung darf jedoch nicht größer sein als 120 Quadratmeter. Ein freistehendes Haus sollte nicht größer sein als 130 Quadratmeter. Es spielt dabei keine Rolle, wie viele Personen in dem Objekt wohnhaft sind. Der Staat schützt Wohneigentum stärker als andere Vermögenswerte.

Nicht jede Altersvorsorge ist ALG-II-sicher

Auch für die private Altersvorsorge gelten besondere Regelungen. Vermögenswerte in Altersvorsorgeprodukten sind bis zu einer Höhe von 750 Euro je vollendetem Lebensjahr nicht dem Vermögen zuzurechnen und müssen dementsprechend auch nicht verwertet werden.

Voraussetzung ist dass ein Zugriff nicht vor dem Erreichend es Ruhestands möglich ist. Das ist dann der Fall, wenn  der Vertrag eine vorzeitige Auszahlung nicht vorsieht bzw. eine vorzeitige Auszahlung nur sehr schwierig möglich ist.

Auch hier gibt es eine Obergrenze für den Freibetrag: Sie liegt abhängig vom Geburtsjahrgang bei ca. 50.000 Euro.

Unantastbar sind auch Guthaben in staatlich geförderten Altersvorsorge-Verträgen. Dazu zählen insbesondere die Riester-Rente und die Rürup-Rente. Nicht verwertet werden können auch künftige Ansprüche gegen die gesetzliche Rentenversicherung und Ansprüche aus Betriebsrenten.

Vermögenswerte, die die Freibeträge übersteigen müssen verwertet werden, bevor Geld vom Staat fließt. Auch hier gibt es allerdings Ausnahmen. Ist ein Bedürftiger von der Rentenversicherungspflicht befreit, darf das Amt auf angemessene Vermögensgegenstände nicht zurückgreifen. Das Vermögen muss jedoch für den Ruhestand vorgesehen sein. Auf eine Verwertung kann zudem verzichtet werden, wenn sie offenkundig unwirtschaftlich wäre.

Fazit: Der Staat lässt immerhin einen Notgroschen zu und schützt Wohneigentum und Altersvorsorge. Das ist wichtig zu wissen: Der Gang zur Arbeitsagentur sollte nicht erst erfolgen, wenn gar kein Geld mehr da ist. Spielraum für den laufenden Lebensunterhalt lässt das Gesetz  kaum. Wer mit den Sozialleistungen nicht auskommt kann nicht lange von freien Schonvermögen zehren.

Wie hoch ist das Schonvermögen bei ALG II? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Freitag, 09. September 2011 um 19:59 Uhr.