Steuervorteile durch Heiraten – wie groß sind sie wirklich?

Heiraten kann Steuern sparen. Das gilt vor allem für Partner mit sehr unterschiedlichem Einkommen, weil nur diese vom Ehegatten-Splitting profitieren. Eheleute profitieren darüber hinaus von Vorteilen bei Erbschaft, Schenkung, Kapitaleinkünften und staatlichen Zuschüssen zur Altersvorsorge.

 
 

Das Ehegattensplittung bringt Vorteile, wenn ein Partner sehr viel mehr verdient als der andere. Um die Steuererleichterung in Anspruch zu nehmen, muss eine gemeinsame Steuererklärung abgegeben werden. Das Finanzamt addiert im ersten Schritt dann die beiden Einkommen und halbiert die Summe anschließend. Die Einkommensteuer wird dann auf das halbierte Einkommen bemessen und anschließend doppelt in Rechnung gestellt.

Einverdiener-Haushalte sparen durch Splitting am meisten

Es liegt auf der Hand dass Haushalte mit einem Einkommen am meisten sparen. Dann kann zum einen der Grundfreibetrag in Höhe von 8001 Euro zweimal vollständig in Anspruch genommen werden. Zudem verläuft die Steuerprogression flacher. Je näher die Einkommen beider Partner aneinander liegen desto kleiner ist der Vorteil durch das Ehegatten-Splitting.

Nicht immer macht die gemeinsame Veranlagung Sinn. Sie rächt sich, wenn einer der beiden Partner vor allem Lohnersatzleistungen bezieht. In diese Kategorie fallen zum Beispiel ALG I, Elterngeld, Krankengeld oder Kurzarbeitergeld. Das Finanzamt schlägt diese Leistungen dem zu versteuernden Einkommen zu.

Ehegatten können zwischen drei Steuerklassen wählen

Verheiratete Arbeitnehmer können zwischen drei verschiedenen Kombinationen ihrer Lohnsteuerklassen wählen. Die Lohnsteuerklasse wirkt sich direkt auf das Nettoeinkommen aus. Die Höhe der festgesetzten Steuer beeinflusst sie hingegen nicht. Die Lohnsteuer ist lediglich eine Vorauszahlung des Arbeitgebers an das Finanzamt.

Bei großen Gehaltsunterschieden führt die Kombination III/V zu einem höheren Nettoeinkommen durch geringere Vorauszahlungen. Verdienen beide Partner in etwa gleich viel, eignet sich nach Ansicht der meisten Steuerfachleute die Kombination IV/IV. Die Steuerklasse beeinflusst auch die Höhe von Lohnersatzleistungen, deren Höhe sich nach dem letzten Nettogehalt richtet. In Klasse III ist das Nettogehalt höher.

Ehepaare mit abzugsfähigen Ausgaben können sich bestimmte Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen und dadurch zu hohe Vorauszahlungen vermeiden. Sinnvoll ist das zum Beispiel bei bestehenden Riester-Verträgen oder einem häuslichen Arbeitszimmer. Eheleute profitieren von einem höheren Freibetrag für Kapitalerträge. Sie können Zinsen, Dividenden und Kursgewinne bis zu einer Höhe von 1602 Euro im Jahr steuerfrei vereinnahmen.

Riester-Förderung auch für den selbständigen Partner

Ein weiterer Vorteil der Ehe betrifft die staatlich geförderte Altersvorsorge. Die Riester-Rente steht eigentlich nur jenen zu, für die eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung besteht. Selbständige oder nichterwerbstätige Personen gehen sonst leer aus. Nicht so wenn der Partner Anspruch auf die Riester-Zulage hat: Dann kann sie auch von Selbständigen, Freiberuflern etc. in Anspruch genommen werden. Zusammen können beide Partner dann bis zu 4200 Euro im Jahr in einen Riester-Vertrag einzahlen und steuerlich geltend machen.

Verkauft ein Ehepartner dem anderen eine Immobilie, fällt auf den Kauf keine Grunderwerbssteuer an. Sonst beträgt die Steuer mindestens 3,5 Prozent des Kaufpreises. Ehegatten dürfen sich selbstgenutzte Eigenheime darüber hinaus steuerfrei schenken. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der Wert der Immobilie ist.

Auch beim Erben sind Eheleute steuerlich bessergestellt. Sie können 500.000 Euro vom anderen vermacht bekommen, ohne dafür einen Cent Steuern zahlen zu müssen. Bei größeren Erbschaften profitieren Verheiratete gegenüber Ledigen ebenfalls von Steuervorteilen. Sie zahlen auf die über den Freibetrag hinausgehenden Erbschaftsanteile 7 bis 30 Prozent Steuern. Zum Vergleich: Unverheirateten steht ein Freibetrag von 20.000 Euro zur Verfügung. Für jeden Euro darüber werden mindestens 30 Cent Steuer fällig.

Eingetragene Partnerschaft: Die Rechtsprechung findet langsam zur Gleichstellung

Für eine eingetragene Partnerschaft sollten dieselben steuerlichen Vorteile gelten wie für eine „klassische“ Ehe. In der Praxis müssen sich gleichgeschlechtliche Lebenspartner noch immer mit Diskriminierung abfinden. Es wird aber besser: Nach und nach werden höchstrichterliche Entscheidungen gefällt, die für Gleichstellung sorgen.

Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Splitting bei eingetragenen Partnerschaften steht aber noch aus. Bislang dürfen sie den Tarif nicht nutzen, auch wenn  Finanzgerichte bereits anders entschieden haben. Lebenspartner können auch nicht wählen, welche Steuerklasse sie angeben möchten. Bei Erbschafts- und Schenkungssteuer sind eingetragene Partnerschaften mittlerweile aber gleichgestellt.

Fazit: Die Ehe lohnt sich steuerlich. Dabei gilt: Je größer die Unterschiede zwischen den Partnern, desto größer auch der Vorteil. Erben und Schenken ohne Trauschein ist richtig teuer.

Steuervorteile durch Heiraten – wie groß sind sie wirklich? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Montag, 19. September 2011 um 20:06 Uhr.