Was macht eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung aus?

 
 

Berufsunfähigkeitsversicherungen sind umstritten: Manchen gelten sie als unverzichtbarer Bestandteil der persönlichen Vorsorge, anderen sehen in den Policen ein teures Lotterielos. Wer eine BU abschließen möchte muss sich auf eine kleine Odyssee begeben und die Angebote von mindestens einem Dutzend Assekuranzen vergleichen.

Wer den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung auf die leichte Schulter nimmt, riskiert viel. Zwar werben die Versicherer gerne für ihre Policen. Bis zu drei Viertel der Antragsteller müssen aber mit Ablehnungen rechnen. Die wichtigsten Gründe dafür: Der „falsche“ Beruf und Vorerkrankungen.

Wer in einem Beruf arbeitet, in dem statistisch betrachtet nur ein kleiner Teil der Beschäftigten bis zum Rentenalter durchhält, hat schlechte Karten. Entweder müssen sehr hohe Prämien für eine bescheidene Rente bezahlt werden oder es gibt erst gar keinen Versicherungsschutz. Nicht  körperlich hart arbeitende Menschen werden von vielen Versicherern gemieden. Auch Angehörige kreativer Berufe müssen – vor allem als Freiberufler – mit Ablehnungen rechnen.

Je jünger desto besser

Vorerkrankungen sind bei Berufsunfähigkeitsversicherungen ein heikles Thema. Schon eine Pollenallergie oder gelegentliche Nackenverspannungen können zu einer Ablehnung durch den Versicherer führen.

Beim Antrag müssen unbedingt alle Vorerkrankungen angegeben werden. Wer Details (und mögen sie noch so unwichtig erscheinen) vergisst, riskiert wegen arglistiger Täuschung seinen Versicherungsschutz. Dann kassiert die Versicherung zwar laufend die fälligen Prämien, beruft sich aber bei einem etwaigen Antrag auf die vereinbarte Rente auf ihre Ausschlussklausel und die Pflichtverletzung und verweigert die Leistung.

Wer gravierende Vorerkrankungen hat, muss nicht gänzlich auf den Schutz einer Berufsunfähigkeitsversicherung verzichten. Mit den Anbietern lässt sich verhandeln. Bestimmte Erkrankungen können aus dem Leistungskatalog ausgeschlossen werden.

In jedem Fall sollte die Versicherung in jungen Jahren abgeschlossen werden – im Idealfall nicht deutlich nach dem 30. Lebensjahr. Dann müssen zwar die Beiträge länger gezahlt werden. Dafür sind sie aber auch dauerhaft niedriger.

Wichtige Leistungsmerkmale der Berufsunfähigkeitsversicherung

Jeder einzelne Vertrag sollte auf einen Katalog von Merkmalen hin überprüft werden. Zu den wichtigsten Klauseln gehört der Verzicht auf die abstrakte Verweisung seitens des Versicherers. Ohne diese Klausel darf die Assekuranz dem Versicherungsnehmer die Leistung verweigern, wenn dieser grundsätzlich noch arbeitsfähig wäre. Sie zahlt nur bei einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit.

Ohne die abstrakte Verweisung müssen Versicherte nicht nur damit rechnen, sich z. B. bei einer Berufskrankheit ganz neu orientieren zu müssen. Es spielt dann auch keine Rolle, ob sie tatsächlich eine neue Stelle finden – im Zweifel ist das Sozialamt und nicht die Versicherung zuständig.

Eine faire Versicherung zahlt, wenn ein Arzt Berufsunfähigkeit für „voraussichtlich sechs Monate“ attestiert. Fehlt diese Klausel, erhalten Versicherte in der Praxis ihr Geld viel zu spät. Wenn das reguläre Einkommen wegfällt ist ein schneller Ersatz existenziell, wenn das Abgleiten in die Bedürftigkeit vermieden werden soll.

Ist nach einer Erkrankung zunächst nicht abzusehen ob es zu einer dauerhaften Berufsunfähigkeit kommt, zahlen Versicherer zunächst nicht. Der Vertrag sollte aber vorsehen, dass dann für sechs Monate rückwirkende Leistungen erbracht werden. Rückwirkend Leistungen sollten auch bei einer verspäteten Meldung durch den Versicherungsnehmer garantiert sein – und zwar für mindestens drei Jahre.

Nachversicherungsgarantie ist für junge Kunden unerlässlich

Vor allem junge Versicherte sollten unbedingt auf eine Nachversicherungsgarantie bestehen. Mit einer solchen Klausel verpflichtet sich der Versicherer, entweder jederzeit oder bei bestimmten Anlässen eine Aufstockung der Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung vorzunehmen.

Ohne Nachversicherungsgarantie weicht der angestrebte Versicherungsschutz schnell auf: Wer heiratet, Nachwuchs bekommt, eine oder mehrere Gehaltsstufen aufsteigt oder ein Eigenheim finanziert muss sich zusätzlich absichern können.

Vorteilhaft sind Verträge, bei denen der Versicherer auf eine befristete Anerkennung der Berufsunfähigkeit verzichtet. Ist das nicht der Fall, sollte die mögliche Dauer einer befristeten Anerkennung unbedingt genau festgehalten sein.

Ein weiteres wichtiges Vertragsmerkmal ist der Verzicht des Versicherers auf § 19. Abs. 3 u. 4. VVG. Verzichtet der Versicherer nicht darauf, kann er den Vertrag nachträglich ändern oder sogar ganz kündigen, wenn der Versicherungsnehmer seine Anzeigepflicht schuldlos (!) verletzt.

Beiträge jährlich zahlen und mit den Überschüssen verrechnen

Faire Verträge sehen ein kostenloses Stundungsrecht für die Versicherungsprämie vor, wenn die Rente beantragt wird. Der Versicherungsschutz sollte zudem weltweit gelten.

Die Beiträge zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollten jährlich gezahlt. In standardisierten Angeboten wird zwar häufig die monatliche Zahlung vorgeschlagen. Dafür fallen aber wie bei fast allen Versicherungen unangemessen hohe Ratenzuschläge an. Die Überschussbeteiligung sollte mit den laufenden Beiträgen verrechnet werden.

Wer aufgrund seines Berufs, Alters oder Vorerkrankungen keine Versicherung erhält oder das Risiko einer späteren Leistungsverweigerung durch den Versicherer zu hoch einschätzt, kann sich mit einer Kombination aus privater Unfallversicherung und Dread Disease Versicherung behelfen.

Eine Dread Disease Versicherung zahlt eine Kapitalabfindung, wenn eine versicherte Krankheit diagnostiziert wird. Versichert werden meistens schwere Krankheiten und gravierende Ereignisse wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zusammen mit einer Unfallversicherung schützt sie gegen einen Teil der möglichen Existenzgefährdungen.

Fazit: Eine gute BU zeichnet sich durch den Verzicht auf abstrakte Verweisbarkeit und § 19. Abs. 3. U. 4. VVG und eine befristete Anerkennung von Berufsunfähigkeit aus. Versicherte sollten zudem das Recht auf eine Nachversicherung ohne Gesundheitsprüfung und rückwirkende Leistungen erhalten.

Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll oder nicht? Was macht eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung aus? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Mittwoch, 12. Dezember 2012 um 17:47 Uhr.
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