Wie sicher sind Tagesgeld und Festgeld im Ausland?

 
 

Auslandsbanken aus den Niederlanden, Österreich und anderen EU-Staaten buhlen mit hohen Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld um deutsche Kunden. Der Einlagenschutz fällt in die Verantwortung der Herkunftsländer. In der Regel ist der Schutz zuverlässig – aber nicht immer.

Für alle EU-Mitgliedstaaten (nicht nur Euro-Länder!) gilt eine weitgehend einheitliche gesetzliche Einlagensicherung. Jede Bank muss einer Sicherungseinrichtung angehören, die im Fall einer Pleite 100.000 Euro pro Kunde ohne Selbstbehalt ersetzt und die Entschädigung binnen 30 Tagen abwickelt.

Die Stiftung Warentest äußerte sich im Jahr 2011 zur EU-Einlagensicherung und stufte die Sicherungssysteme in den Niederlanden, Großbritannien, Österreich und Frankreich als ausgesprochen sicher ein. Hinter allen genannten Einlagensicherungssystemen steht eine etablierte Volkswirtschaft mit ausreichend Potenzial zur Entschädigung von Gläubigern.

Vorsicht bei kleinen Volkswirtschaften

Jede Einlagensicherung findet ihre Grenzen naturgemäß dort, wo Ansprüche von Gläubigern das volkswirtschaftliche Potenzial übersteigen. Das konnten Anleger am Beispiel Island (das nicht unter die EU-Standards fiel) sehen: Ohne internationale staatliche Kredite, die bis heute nicht zurückbezahlt wurden, wäre die Entschädigung der Kunden der insolventen Banken Kaupthing Edge und Co. Nicht möglich gewesen.

Anleger sollten deshalb einen Blick hinter die Kulissen einer ansprechenden Bank-Homepage werfen und sich bei Auslandsbanken ein Bild vom Herkunftsland machen. Das Bruttoinlandsprodukt sollte eine gewisse Größe (absolut und pro Kopf) erreichen. Das Land sollte zudem kein übermäßig großes Leistungsbilanzdefizit aufweisen. Das war zum Beispiel in Island der Fall. Das Leistungsbilanzdefizit wird dann nicht zuletzt mit den Geldern der ausländischen Bankkunden erworben.

Derzeit wirbt auch die eine oder andere Bank aus dem baltischen Estland um deutsche Kundengelder. Estland ist seit 2011 Mitglied er Euro-Währungsunion und überzeugt durch eine sehr disziplinierte Haushaltspolitik. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von gut 16 Mrd. Euro (Stand 2008 zum damaligen Umrechnungskurs zu früheren Krone) gehört Estland aber eher zu den kleineren Volkswirtschaften der EU.

Fazit: Die EU-Einlagensicherung ist so zuverlässig wie die Zahlungsfähigkeit des jeweiligen Mitgliedslandes. Bei den großen und altbekannten Nachbarn Niederlande, Frankreich, Großbritannien und Österreich ist das Geld sicher. Junge und weniger große Volkswirtschaften wurden in punkto Einlagensicherung in der EU noch nicht auf den Prüfstand gestellt.

Wie sicher sind Tagesgeld und Festgeld im Ausland? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Martin am Freitag, 14. Dezember 2012 um 17:47 Uhr.
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