Was passiert wenn man keine Steuererklärung abgibt?

 
 

Wer seine Steuererklärung nicht fristgerecht abgibt, begeht damit kein Kapitalverbrechen. Es gibt Möglichkeiten, die Fristen zu verlängern. Wer das versäumt, muss zunächst mit Mahnungen, dann mit Zuschlägen und Zwangsgeldern und im Extremfall auch mit einer Schätzung rechnen.

Die Frist zur Abgabe der Steuererklärung endet zum 31. Mai des jeweiligen Folgejahres. Die Erklärung für 2011 musste demnach bis zum 31. Mai 2012 beim Finanzamt eingegangen sein. Diese Frist gilt nicht für Steuerpflichtige, die von einem Steuerberater beraten werden. Der Steuerberater kann jederzeit eine Fristverlängerung bis zum 31.12. beantragen, der stets stattgegeben wird.

Wer sich vor dem Sommerurlaub rasch mehr Zeit verschaffen will, muss dazu nur Kontakt mit irgendeinem Steuerberater aufnehmen und ihn um das Schreiben ans Finanzamt bitten. Eine Beratung muss dazu noch nicht in Anspruch genommen werden.

Antrag auf Fristverlängerung geht fast immer durch

Steuerzahler können auch selbst einen Antrag auf Fristverlängerung stellen, wenn sie dem Finanzamt einen triftigen Grund nennen. Berufliche Überforderung kann ebenso ein Grund sein wie eine Erkrankung oder ein Umzug. In dem Antrag sollte eine neue Frist, wie z. B. der 31. Juli, genannt werden.

Der Antrag sollte schriftlich oder per Fax ans Finanzamt gesendet werden. Meldet sich das Finanzamt nicht, gilt der Antrag als angenommen. Die Finanzbeamten zeigen sich in aller Regel großzügig und geben dem Ersuchen statt.

Wer ohne Antrag auf Fristverlängerung die Frist versäumt, muss mit einer Mahnung vom Finanzamt rechnen. Die kommt meistens nicht vor Juli. Wer ohne Mahnung eine Steuererklärung verspätet abgibt, muss nicht mit Konsequenzen rechnen. Ein paar Tage Zeitüberschreitung sind also kein Problem.

Erst mit dem Zugang der Mahnung wird es etwas ernster. Das zuständige Finanzamt fordert die Abgabe der Steuererklärung unter Fristsetzung sein. Die Fristsetzung sollte nicht als Fristverlängerung interpretiert werden – Säumniszuschläge etc. beziehen sich auf den Zeitpunkt der Abgabe! Die in der Mahnung gesetzte Frist beträgt meist vier bis sechs Wochen.

Wer die Mahnung versäumt zahlt drauf

Die Mahnfrist sollte besser nicht versäumt werden. Sonst darf das Finanzamt mit einem Zwangsgeld drohen und es bei anhaltendem Verzug auch festsetzen. Die zuständigen Sachbearbeiter im Finanzamt können selbst entscheiden, ob sie einen Verspätungszuschlag verlangen. In den vergangenen Jahren geschieht dies nach Informationen von Steuerberatern und Verbraucherschützer immer häufiger.

Der Verspätungszuschlag bemisst sich an der zu zahlenden Einkommensteuer (nicht an der Nachzahlung!). Er kann bis zu 10 Prozent der festgesetzten Steuer (maximal 25.000 Euro pro Jahr) betragen.

Zusätzlich zum Verspätungszuschlag darf das Finanzamt Zinsen verlangen, wenn die Steuererklärung mit Verspätung abgegeben wurde. Ab dem 16. Monat nach dem Ende des zu erklärenden Zeitraumes darf die Behörde 0,5 Prozent Zinsen pro angefangenem Monat für den noch offenen Betrag verlangen. Bei 12 Monaten Verspätung ergibt sich pro 1.000 Euro Steuerschuld ein Zinszuschlag von 60 Euro.

Wer gar nicht reagiert wird geschätzt

Wer dem Finanzamt gar keine Auskünfte über sein Einkommen zugesteht, muss mit einer Schätzung rechnen. Der zuständige  Finanzbeamte darf in diesem Fall das Einkommen schätzen und für die angenommenen Einkünfte Steuern verlangen. Völlig willkürlich darf die Schätzung nicht ablaufen. Dennoch müssen vor allem Selbständige ohne Lohnsteuerabzug damit rechnen, dass die Schätzung hoch ausfällt.

Schätzt das Finanzamt, stellt es einen Steuerbescheid zu. Wer mit dem nicht einverstanden ist, kann Widerspruch einlegen. Dem Bescheid ist eine entsprechende Belehrung beigefügt. Die Widerspruchsfrist beträgt einen Monat und beginnt drei Tage nach dem Datum des Bescheids. Wird kein Widerspruch eingelegt, ist der Steuerbescheid rechtskräftig.

Wer auch die Einspruchsfrist versäumt, ist auf das Wohlwollen des Sachbearbeiters angewiesen. Dieser kann den Bearbeitungsstatus des Bescheids um eine Stufe zurücksetzen und so nachträgliche Korrekturen noch ermöglichen. Einen Rechtsanspruch darauf haben Steuerpflichtige aber nicht.

Fazit: Wer keine Steuererklärung abgibt, muss zumindest bei der Einkommensteuer zunächst mit gar keinen und dann mit überschaubaren Konsequenzen rechnen. Schmerzhaft können Verspätungszuschläge und Verzugszinsen allerdings sein. Der größte anzunehmende Unfall ist die Schätzung der Steuerschuld durch das Finanzamt.

Was passiert wenn man keine Steuererklärung abgibt? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Sonntag, 16. Dezember 2012 um 17:47 Uhr.
photo by : Dave Dugdale