Was passiert bei einer Insolvenz des Stromanbieters?

 
 

Wenn der Stromanbieter Insolvenz anmeldet, besteht keine Gefahr für die Versorgungssicherheit. Stromkunden dürfen dennoch nicht einfach die Zahlungen einstellen. Schaden erleidet, wer in Vorkasse getreten ist. Die wichtigsten Fakten für Kunden von Pleite-Versorgern.

Mit dem Versorger Teldafax meldete im Juni 2011 nicht nur ein prominenter, sondern auch ein großer Versorger Insolvenz an. Rund 700.000 Kunden in ganz Deutschland bezogen von dem Hauptsponsor des Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen Strom oder Gas.

Stellt ein Stromversorger einen Insolvenzantrag, haben Kunden keinesfalls das Recht, ihrerseits den Vertrag einfach so zu kündigen. Eine Kündigung außerhalb der regulären Fristen ist nur möglich, wenn der Versorger seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt und die Lieferungen einstellt  -dann gibt es ein Sonderkündigungsrecht.

Insolvenzverwalter zur Stellungnahme auffordern

Verbraucher sollten zunächst den zuständigen Insolvenzverwalter kontaktieren. Er sollte schriftlich aufgefordert werden, zur weiteren Fähigkeit des Versorgers zur Lieferung Stellung zu nehmen. Die Anfrage sollte mit einer 10tägigen Frist verbunden werden. Wer der zuständige Insolvenzverwalter ist, kann beim zuständigen Amtsgericht erfragt werden. Der Insolvenzverwalter ist rechtlich zur Stellungnahme verpflichtet.

Erst wenn der  Insolvenzverwalter mitteilt, dass die Lieferungen eingestellt werden, können sich Verbraucher einen neuen Vertrag suchen. Eine Unterbrechung der Versorgung ist nicht zu befürchten. Der örtliche Grundversorger ist verpflichtet, ohne zeitliche Verzögerung die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Vorkasse und Kaution sind verloren

Die Insolvenz von Teldafax traf viele Kunden hart, weil sie in Vorkasse getreten waren oder eine Kaution hinterlegt hatten. Stromtarife mit Vorkasse von bis zu einem Jahr oder einer Kaution in Höhe von mehreren hundert Euro landen in Vergleichsrechnern häufig weit oben, weil der Preis pro Kilowattstunde oder der Gesamtpreis pro Jahr günstig sind.

Im Fall einer Insolvenz sind die Zahlungen aber ganz oder größtenteils verloren. Die Ansprüche von Verbrauchern fließen in die allgemeine Insolvenzmasse ein. Aus der werden zunächst vorrangige Ansprüche wie die des Finanzamtes bedient. Nur wenn dann noch Geld zur Verfügung steht kommt es nach Abschluss eines meist langwierigen Verfahrens zur Entschädigung nach Quote. Wer an dem Verfahren teilnehmen will, muss beim zuständigen Insolvenzverwalter die Aufnahme in die Insolvenztabelle beantragen.

Werden Zahlungen an den Stromanbieter im Lastschriftverfahren vom Konto abgebucht, gibt es zumindest für einige Kunden noch Hoffnung: Binnen sechs Wochen nach der Abbuchung kann die Lastschrift bei der eigenen Bank storniert werden. Gründe müssen dafür nicht genannt werden. Das Geld muss dem Konto umgehend wieder zur Verfügung stehen.

Ohne Vorkasse und Kaution lohnt sich der Stromanbieter-Wechsel trotzdem

Der Wechsel des Stromanbieters lohnt sich trotz des stets existierenden Insolvenzrisikos. Da Versorgungsrisiken ausgeschlossen sind, müssen Verbraucher lediglich Tarife ohne Vorkasse und Kaution und nutzen und können dann bedenkenlos nach Schnäppchen suchen.

Verbraucherschützer und Energieexperten weisen immer wieder darauf hin, dass der Wechsel des Stromversorgers selbst für Single-Haushalte eine jährliche Ersparnis von 100 Euro und mehr ermöglicht – und zwar ohne riskante Tarifdetails. Bei guten Vergleichsrechnern können Verbraucher gezielt Tarife mit Vorkasse und Kaution herausfiltern.

Strom-Preisvergleich für Ihre Region

Fazit: Wer Vorkasse und /oder Kaution geleistet hat kann sein Geld bei einer Pleite abschreiben. Alle anderen sollten sich zunächst rückversichern und klarstellen, wie es um die Situation des Versorgers und die weiteren Lieferungen bestellt ist. Kommt der Strom wieder vom örtlichen Versorger kann das Sonderkündigungsrecht genutzt und zu einem beliebigen Anbieter gewechselt werden.

Stromanbieter Insolvent - Was tun bei einer Insolvenz des Stromanbieters? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Martin am Dienstag, 18. Dezember 2012 um 11:47 Uhr.
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