Woran erkennt man eine Depression?

 
 

Volkskrankheit Depression – ganz so einfach ist die kollektive Diagnose nicht. Zwar leiden viele Menschen in Deutschland und anderen Industrienationen unter Depressionen. Die Krankheit und ihr Erscheinungsbild zeigen sich aber auf höchst unterschiedliche Art und Weise. Nicht jede Verstimmung ist eine Depression und nicht jede Depression muss Betroffene und Angehörige gleich das Schlimmste vermuten lassen.

Eine absolut zuverlässige Diagnose für Depressionen gibt es nicht. Der behandelnde Arzt führt mit Patienten ein ausführliches Gespräch und trifft danach eine Entscheidung. Auch wenn dadurch Interpretationsspielräume verbleiben, sehen Mediziner eine überwiegend bestehende Möglichkeit zur Abgrenzung von Depressionen gegenüber „normalen“ Stimmungsschwankungen.

Die meisten Depressionen sind endogener Natur

In der einschlägigen Literatur wird eine dauerhaft gedrückte Stimmungslage als eines der wichtigsten Symptome einer Depression genannt. In den meisten Fällen entwickelt sich diese Gemütslage aus sich selbst heraus (endogen) und ist nicht auf ein bestimmtes Ereignis (exogen) zurückzuführen.

Die Stimmungslage ist ebenso wie ein stark vermindertes Interesse an jeder Form von Aktivität auch für Außenstehende zumindest bis zu einem gewissen Grad wahrnehmbar. Viele Symptome einer Depression finden aber vor allem in den Denkprozessen der Erkrankten statt und werden nur Personen offenbar, denen sich Betroffene anvertrauen.

Ärzte berichten darüber, dass viele Patienten ihnen von Ängsten vor Verarmung berichten. Diese Angst könnte mit einem Druck auf das Selbstbewusstsein der Betroffenen einhergehen. Depressionspatienten leiden zudem häufig an Selbstvorwürfen. Sie geben sich allein die Schuld an ihrer Situation oder auch an Problemen ihres sozialen Umfelds, der Gesellschaft etc.

Unfähig, die einfachsten Entscheidungen zu treffen

Betroffene Patienten berichten oft darüber, dass sie ihre Entscheidungskraft eingebüßt haben. Selbst einfachste alltägliche Entscheidungen werden plötzlich zu einer Hürde, die den Ablauf des Tages in vollkommen unangemessener Form beeinträchtigen kann.

Diese Unentschlossenheit trägt zusammen mit einer allgemeinen Lust- und Energielosigkeit dazu bei, dass Betroffene ihren alltäglichen Aufgaben nicht mehr gewachsen sind. Eine verwahrloste Wohnung kann das ebenso zum Ausdruck bringen wie das ständige Nichteinhalten wichtiger Termine und Fristen, eine mangelnde Zuverlässigkeit am Arbeitsplatz und in sozialen und partnerschaftlichen Beziehungen.

Freunde und Bekannte bekommen oft mit, dass „etwas nicht stimmt“, wenn Betroffene sich entgegen sonstiger Gewohnheiten lange Zeit nicht melden und sich zurückziehen. Der soziale Rückzug (der auch Symptom vieler anderer psychischer Erkrankungen ist) resultiert zum Teil aus Schamgefühlen, die zum Teil wiederum aus der mangelnden Fähigkeit zur Bewältigung des Alltags rühren.

Die Symptome sind bei jedem anders

Depressionen müssen sich nicht zwingend durch oben genannte Symptome ankündigen. Oft zeigt die Erkrankung ein ganz anderes Bild. Einige Betroffene berichten z. B. darüber, dass sie über längere Zeit unter einer extrem niedrigen Toleranzschwelle litten. Das äußert sich z. B. darin, dass da soziale Umfeld schon wegen Kleinigkeiten angeschrien und maßlos überzogenen Vorwürfen ausgesetzt wird.

Solche Symptome müssen nicht einmal zwingend nach außen dringen. Betroffene berichten Ärzten oft, dass sie  in Gedanken ständig „auf 180“ sind, ihr Befinden aber nach außen nicht zeigen. Auch wer sich ohne äußeren Grund ständig massiv gestresst und angegriffen fühlt, kann es mit einer Depression zu tun haben.

Depression erkennen - Woran erkennt man eine Depression? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Shirin am Samstag, 22. Dezember 2012 um 13:22 Uhr.
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