Gehört die Einbauküche zum Hausrat oder zum Gebäude?

 
 

Für Schäden an Einbauküchen ist manchmal die Hausratversicherung und manchmal die Wohngebäudeversicherung zuständig. Ob gezahlt wird oder nicht hängt oft von Details ab. Maßgeblich ist neben der baulichen Einzigartigkeit der Küche auch, wer  für Reparatur und Neubeschaffung vertraglich verantwortlich ist.

Wurde eine Einbauküche vom Eigentümer der Immobilie individuell für diese geplant und in Auftrag gegeben, fällt sie nicht unter den Hausrat und ist dementsprechend auch nicht über die Hausratversicherung versichert. Vielmehr handelt es sich um einen Bestandteil des Gebäudes, für den im Fall eines Schadens die Wohngebäudeversicherung zuständig ist.

Als „individuell geplant“ gilt eine Küche nicht, wenn zum Einbau lediglich Bausteine passend für den Raum gekauft wurden. Auch das maßgenaue Zuschneiden von Passleisten oder der Arbeitsplatte macht aus einer serienmäßig gefertigten Anbauküche noch keinen Gebäudebestandteil. In diesem Fall zählt die Küche zum Hausrat und ist in der Hausratversicherung versichert.

Diese Regelungen gelten allerdings nicht immer. Auch eine maßgenau angefertigte Einbauküche kann zum Hausrat zählen. Das ist der Fall, wenn sie vom Besitzer der Hausratversicherung (ganz egal ob dieser Mieter oder Eigentümer ist) beschafft wurde und der Versicherungsnehmer auch selbst die Kosten für Reparaturen tragen müsste.

Dabei handelt es sich um eine Sonderreglung, mit der Streitigkeiten um die Zuständigkeit zwischen Hausrat- und Wohngebäudeversicherung vorgebeugt werden soll. Zum Hausrat zählen laut dieser Regelung Gegenstände, die vom Versicherungsnehmer  nachträglich und zusätzlich in das Gebäude eingefügt worden sind. Wird eine bestehende Einbauküche lediglich durch eine neue (individuell angefertigte) ersetzt, fällt sie nicht unter den Schutz der Hausratversicherung.

Damit die Regelung gilt, muss der Besitzer der Hausratversicherung das Risiko für die Einbauküche tragen. Das bedeutet, dass er für Reparaturen und Wiederbeschaffung selbst verantwortlich ist.

Für Eigentümer bedeutet dies, dass Einbauküchen, die sie nachträglich in ein Gebäude einbringen, nicht zwingend unter den Schutz der Wohngebäudeversicherung fallen. Da die Abgrenzung in der Praxis oft Schwierigkeiten bereitet sollte die Versicherung kontaktiert werden. Ggf. muss der Abschluss einer zusätzlichen Hausratversicherung geprüft werden.

Auch wenn bereits eine Hausratversicherung besteht ist eine Prüfung sinnvoll. Wird z. B. eine neue Eigentumswohnung aufwändig ausgebaut und werden viele hochwertige Gegenstände nachträglich eingefügt, kann der Standard-Schutz der Hausratversicherung schnell nicht mehr ausreichen. Es reicht dann auch nicht, wenn „Kein Abzug wegen Unterversicherung“ vereinbart wurde.

Fazit: Eine fest eingebaute und individuell gestaltete Einbauküche zählt grundsätzlich zum Gebäude und ist damit über die Wohngebäudeversicherung geschützt. Anbauküchen sind dem Hausrat zuzurechnen. Individuelle Einbauküchen aber fallen unter den Schutz der Hausratversicherung, wenn sie zusätzlich eingebaut wurden.

Gehört die Einbauküche zum Hausrat oder zum Gebäude? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Roman am Mittwoch, 26. Dezember 2012 um 12:07 Uhr.
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