Was ist eine Umkehrhypothek?

Bei einer Umkehrhypothek beleihen Immobilienbesitzer ihr Wohneigentum und sichern sich zugleich ein lebenslanges Wohnrecht. Umkehrhypotheken können Rentnern mit Immobilienbesitz zu einem besseren Lebensstandard im Ruhestand verhelfen.

 
 

Umkehrhypotheken sind in Deutschland noch vergleichsweise unbekannt, werden in anderen Ländern jedoch schon lange genutzt. Das Prinzip ist einfach. Der Eigentümer einer unbelasteten Immobilie leiht sich Geld von einer Bank, die im Gegenzug dafür als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen wird. Der Verkäufer erhält   – ebenfalls durch einen Grundbucheintrag – ein lebenslanges Wohnrecht. Der Kredit ist zu Lebzeiten zins- und tilgungsfrei.

Umkehrhypotheken sind in verschiedenen Finanzierungsvarianten möglich. Immobilienbesitzer können sich einmalig einen größeren Betrag oder eine monatliche Rente auszahlen lassen. Im Fall einer monatlichen Rente kann diese auf einen bestimmten Zeitraum befristet sein oder lebenslang gelten. In eine lebenslange Rente können auch mehrere Personen eingeschlossen werden. Die Zahlung endet dann erst mit dem Ableben der Person, die zuletzt stirbt.

Wohneigentum zu Lebzeiten versilbern

Der Vorteil von Umkehrhypotheken  liegt auf der Hand: Eigentümer können ihr Objekt noch zu Lebzeiten in bare Münze umwandeln, ohne die eigenen vier Wände jemals verlassen zu müssen. Eine knappe Rente kann dadurch aufgebessert werden.

Überschätzen sollten Eigentümer das Potenzial des Modells allerdings nicht. Wie viel Geld das Eigenheim zu Lebzeiten und mit dem Wohnrecht bringt, hängt maßgeblich vom Lebensalter zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme ab. Die Bank kalkuliert den Kreditsaldo, der bei Erreichen des statistischen Lebensalters besteht. Da zu Lebzeiten keine Zinsen gezahlt werden, wächst der Kreditsaldo Monat für Monat an. Je länger die statistische Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme ist, desto geringer ist der Spielraum.

Zudem sind die Konditionen für Umkehrhypotheken alles andere als günstig, weil der Markt in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt und Banken sich Pionier-Renditen ausrechnen. Bei 20 Jahren Laufzeit und einem Objektwert von 200.000 Euro ist eine Einmalzahlung in Höhe von 50.000 bis 60.000 Euro bzw. eine monatliche Rente von 350 bis 400 Euro realistisch.

Übergabe an die Erben als Alternative

Wer sich für eine Umkehrhypothek entscheidet, verringert die Erbmasse deutlich. Nicht zuletzt deshalb kann die Übergabe der Immobilie an einen Erben  – ebenfalls mit lebenslangem Wohnrecht – eine Alternative sein. Bei mehreren Erben, von denen nur einer den Immobilienbesitz übernimmt, müssen ggf. entsprechende Vereinbarungen getroffen werden.

Fazit: Besonders gut eignet sich eine Umkehrhypothek für (angehende) Rentner, die keine Erben haben und in einer unbelasteten Immobilie wohnen und diese nicht mehr verlassen möchten. Soll lediglich ein kurzzeitiger Engpass überbrück werden, sind andere Finanzierungsformen in der Regel günstiger.

Was ist eine Umkehrhypothek? » Antwort auf Frage.org geschrieben von Julian am Samstag, 05. Februar 2011 um 12:00 Uhr.